„Kulturwerk“

Spielen und sich filmen

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Die Frankfurter Fabrik zeigt eigens produzierte Musikvideos.

Verbreitet sind derzeit Übertragungen von Konzerten und anderer Bühnenkunst via Livestream – die Fabrik, das „Kulturwerk“ im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, geht einen Weg, der dem Internet in seiner Gebrauchsform als fernsehähnlichem Medium letztlich gemäßer ist. So präsentierte sie auf ihrem Youtubekanal die Premieren von drei vorab produzierten Videos mit Künstlern, die für eine Europawoche annonciert waren. Das bedeutet Produktionen, die sich der ästhetischen Möglichkeiten bedienen, die in den 80er Jahren im Zuge des Musikfernsehens entwickelt worden waren. Das Video als Kunstform also.

So löst sich der dreiminütige Videoclip mit dem Gitarristen Martin Lejeune und Peter Klohmann an Querflöte und Tenorsaxofon und ihrer animiert jazzpoppig beschwingt groovenden Europahymnen-Paraphrase „European Funken Beatz“ frei nach Beethoven in teils raschen Schnitten und grünstichigem Schwarzweiß von der Einheit von Zeit und Raum wie auch dem linearen Verlauf der Tonspur .

Eher blass wirkt der Pianist Puschan Mousavi Malvani in dem visuell konventionell dargebrachten Gesprächskonzert um die Europäer Bach und Beethoven, samt Improvisationen sowie spannungsarmen Interpretationen von Beethovens Pathétique und Auszügen aus Bachs Französischen Suiten.

Als sechsteilige Suite ist „Antigone_Europa“ von der Schauspielerin Katharina Bach (Ensemblemitglied am hiesigen Theater) und dem Bassisten Gregor Praml angelegt. Ausgehend von der modernen Adaption des Antigonestoffs durch Jean Anouilh dreht sich diese Mischung aus Hörspiel und Eigenständigkeit behauptender Bildebene (Bach und ihr Mienenspiel) um den Übelstand, dass Frauen ob eines männlichen Omnipotenzanspruchs zum Schweigen gebracht werden. Einzelne Sätze gelten Passagen aus der feministischen Schrift „Das Lachen der Medusa“ von Hélène Cixous sowie den Essays der Althistorikerin Mary Beard zum Motiv „Frauen & Macht“.

Mittels Fußpedalen, Sampling & Looping erschließt Praml ein klangmusikalisches Universum, das sich frei trifft mit der von Manierismen durchaus nicht freien (doch das stellt keine Einwendung dar), Radikalität suggerierenden Vortragsweise Katharina Bachs. Bemerkenswert im Übrigen, dass Bach und Praml sich wechselseitig gefilmt haben und Praml den Schnitt besorgt hat. Ein DIY-Verfahren mit imposantem Resultat.

www..die-fabrik-frankfurt.de

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