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Ensemble Modern

Spektrale Energie

Wie es weiterging, als Debussy die Tore aufgestoßen hatte: Ein Abend in der Alten Oper mit dem bestens aufgelegten Ensemble Modern und debussy-affinen Musikfortsetzern.

Von Bernhard Uske

Claude Debussy habe die Tore zur Moderne weit aufgestoßen – so lautet das Credo des Musikfests der Alten Oper. Scharf bewacht sind dabei die Tore des Musentempels, wo man mittlerweile nicht nur am Eingang und vor dem Saal, sondern auch nach der Pause sein Billett zeigen muss. „Weil zwei Veranstaltungen im Haus stattfinden“, „keine Ahnung“, „wegen Paris“, so die Antworten des Personals bei Nachfrage des genervten Publikums. Das Ganze wohl Ausdruck des Forer-Effekts, auch Eitelkeits-Bias genannt: Was weder die Berliner Philharmonie noch die größten Opernhäuser nötig haben – wir sind eben erste Adresse, auch für Attentäter. Als hätten die nicht noch zehn Euro übrig, um eine gültige Eintrittskarte zu kaufen.

So ging man mit metropolitanen Wichtigkeits-Gefühlen in den Mozartsaal zum Konzert des Ensemble Modern, wo einem dann noch verkündet wurde, es komme gleich eine Schreckschusspistole zum Einsatz, bei deren Knall man sich zwar gerne erschrecken dürfe, aber nicht fortlaufen möge.

Leicht zirzensisches Treiben

Die Vorsorge galt Hans Zenders Orchesterfassung von fünf Préludes Debussys: buntes, leicht zirzensisches bis dadaistischen Treiben, das Zender 1991/97 aus den kurzen Klavierwerken und ihren illustrativ-sensuellen Beziehungen herausgearbeitet hat. Greller als die Originale und viel schwerer. Selten nur mit einer dem diffus-tonalen Habit der Stücke entsprechenden Zurückhaltung.

Nun ist der Mozartsaal der antispektrale Klangraum schlechthin: Farblos und bei größerer Besetzung hart und klobig. Keine guten Aussichten für das kluge Programm mit debussy-affinen Musikfortsetzern. Maurice Ohana (1913-1992) bot gleich zu Beginn mit „Signes“ (1965, Dt. Erstaufführung) assoziative, bildhafte Klangformen verschiedener Herkunft. Ein Anti-Akademiker, der Atmosphäre und Fremdheitsreiz hatte. Ebenso Emanuel Nunes (1941-2012), nur eher formalisiert und reduzierter. Als hätte ein Morton Feldman sein Motivverknüpfungsmuster über einen fein bewegten Farbklanggrund gelegt. Von Claude Vivier (1948-1983) erklangen „Trois airs pour un opéra imaginaire“ (1982): das stärkste Beispiel spektraler Energie im Verein mit sopranistischer Vokalität, die dank der hervorragenden Anna Palimina das strömende Geschehen leuchten ließ.

Das Publikum geizte nicht mit Applaus auch für ein bestens aufgelegtes Ensemble Modern, was unter der Leitung Jonathan Stockhammers, der nicht nur zu zählen, sondern auch zu animieren versteht, immer wieder zu erleben ist.

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