Drab Majesty

Sie spannen Gitarren in großen Bahnen

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Drab Majesty ist in Frankfurt unterhaltsam und knallt live im Club „Das Bett“.

Vor der Tür des Frankfurter Clubs „Das Bett“ unterhalten sich drei Menschen über das Wochenende. Er war auf einem Konzert: „Hip-Hop, auf deutsch. Aber mit Niveau, wirklich.“ Er grinst. „Höchst und Nied sind zuhause geblieben. Eher so Nordend und Bornheim.“ Er hat einen Iro mit Tolle, an seinen Füßen Redwings, das sind Schuhe für dreihundert Euro.

Die Vorband von Drab Majesty heißt Kælan Mikla, drei Menschen, deutlich jünger als ihr Publikum. Über den Maschinen und einem warm rollenden Bass spricht Laufey Soffía Þórsdóttir ihre Texte, auf Isländisch, ich verstehe leider kein Wort. Die Assoziationen aus den Musikblogs: kalt, verzaubert, feministisch, Elfen, Matriarchat, Björk. In Wahrheit ist das im Kern eine geschmackvolle Hommage an den Dark Wave der 80er und die Dystopien, die Atomsprengköpfe in Menschenköpfen pflanzen konnten. Kippt Þórsdóttir ins Schreien, wie im Hit „Kalt“, klingen sie wie Le Tigre nach der Reaktorkatastrophe. Also fantastisch.

Das Bier trinkt er über ihre Schulter

Es sind vielleicht sechzig Menschen hier, im Durchschnitt 35 Jahre. Neben mir steht ein Paar, es hält sich. Er schlingt seine Arme von hinten um sie. Von wegen Welt so kalt. Sie halten sich, er trinkt sein Bier über ihre Schulter, das sieht umständlich aus.

Drab Majesty ist eigentlich nur Andrew Clinco aus Los Angeles, er spielt Schlagzeug bei Marriages, dort macht er Musik zusammen mit Emma Ruth Rundle. Hier treten er und Mona D zu zweit auf, er als Deb Demure, sein Alter Ego. Beide komplett in Weiß, mit Perücke, Sonnenbrille, Lederjacke, Rollkragen, Röhrenjeans. Im Interview verweist Demure auf Throbbing Gristles Genesis P-Orridge und ihre/seine Kritik an der Geschlechtsbinarität. Das klingt gut, auf der Bühne ist davon wenig zu erahnen. Zumal die Elemente eher nach Geschmack denn nach Konzept zusammengestellt sind.

Aber es ist unterhaltsam und der pathetische Sound, permanent im Hall, knallt live wunderschön. „If you could take a polaroid of your life / Would you cry?“ Das wird existenziell und tief gemeint sein, ich denke beim New Wave von Drab Majesty selig an Erdnussbutter und „Alf“ im Fernsehen. Das ist die Form von Nostalgie, die auch Stranger Things gekonnt bedient. Sie spielen „The Foyer“, eine der frühen Singles, Kælan Mikla stehen in der zweiten Reihe und feiern mit Drinks in den Händen. Ein Paar in der ersten Reihe, sie macht ein Video, er stützt ihren Arm von hinten.

Drab Majesty spannen die Gitarren in großen Bahnen über die Drumpatterns, Demures Stimme ist offen und raunend, Kælan Mikla haben mehr von Anne Clarke und deren kapitalistischkritischem Spoken-Word über Fließband-Sequencern. In einem Bild: Kælan Mikla schließen sich zusammen in Untergrundzellen, Drab Majesty gehen zur Theater-AG. Und am Schluss, auf dem T-Shirt: „The world belongs to the silent ones.“

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