Für Spanier einfach zu früh

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Jordi Savall in der Alten Oper Frankfurt

Jordi Savall, der Katalane, füllt weiße Flecken aus. In den vergangenen Jahren gab der 1941 geborene Gambist und Dirigent Antworten auf Fragen wie diese: Welche Gesänge fuhren im Kielwasser von Kolumbus' Entdeckerflotte gen Neue Welt? Oder - sein aktuellstes Projekt - wie hat es in den Mauern von Jerusalem vor dreitausend Jahren geklungen? Oder, und das ist nun schon fast 20 Jahre her, was steckt hinter Leporellos Ausruf während Don Giovannis letztem Abendmahl, "Bravi! Cosa Rara!". Die zur Mozart-Zeit so beliebte Oper "Una Cosa Rara" von Vincent Martin i Soler hat Savall 1990 als erster auf Platte aufgenommen, mit seinem damals neu gegründeten Orchester Le Concert des Nations. Savall wusste eben auch immer schon, wie man auf sich aufmerksam macht - seine Alte-Musik-Projekte sind als echte Hinhörer konzipiert.

Mit Le Concert des Nations, das trotz des französisch klingenden Namens das führende Barockorchester Spaniens ist, war Savall jetzt in der Alten Oper Frankfurt. Allerdings nicht mit Werken, die man als unerhört bezeichnen könnte, vielmehr mit einem recht überraschungslosen Programm aus Suiten von Rameau, Händel und Purcell sowie den beiden ersten Brandenburgischen Konzerten. Im Ablauf hatte Savall nur einen kleinen persönlichen Fingerabdruck hinterlassen, der aber war geschmackssicher: Die überaus glückliche Zusammenstellung der "Wassermusik"- Suite stammte von Savall selbst.

Was man wohl bedenken muss: In Spanien beginnen Konzerte nicht vor 20.30 Uhr. Vielleicht lässt sich damit erklären, dass so gut wie alles vor diesem Zeitpunkt deutlich unter den Erwartungen blieb. Im ersten Brandenburgischen schwamm die Koordination zwischen den (sitzenden) Streichern und den an den Orchesterflanken stehenden Bläsern gewaltig, bei moderaten Tempi wirkte der Klang zerfahren und mühsam.

Nach der Pause, die Tutti-Musiker saßen bereits auf ihren Plätzen, gab Savall ihnen ein Zeichen, das zweite Brandenburgische im Stehen zu musizieren - und von da an präsentierte sich Le Concert des Nations endlich als Klasseensemble. Und als eines, das nicht auf Extreme setzt, vielmehr auf einen matt-feinen Streicherklang, auf prägnante Details und Tempoübergänge, für die Savall ein besonderes Gespür an den Tag legte.

Die Stars des Abends waren klar die Trompeter. Guy Ferber blies das Solo im zweiten Brandenburgischen auf einer zur Schnecke gewickelten Naturtrompete in Clarinlage, sensationell flink, leicht und tonschön. Bravo, das war in derartiger Qualität eine wirklich seltene Sache, una cosa rara.

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