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Der Dirigent Michael Gielen wird 90 Jahre alt.

Oper Frankfurt

Sound der 70er und 80er

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Eine Gedenkfeier für Michael Gielen in der Oper Frankfurt.

An manchen Orten hat sich die Große Erzählung der Moderne erhalten, im speziellen mit ihrer Schlüsselattitüde von Kunst als Kritik in einem neuen Hören und Sehen, als Ermöglichungsgrund eines neuen Menschen.

Die Gedenkfeier in der Oper Frankfurt aus Anlass des Todes Michael Gielens im März, ließ den Sound der 70er und 80er Jahre wieder aufleben: Ein Hauch aus goldener Zeit des Frankfurter Opernkulturkampfs streifte die Häupter der Silver Generation, die sich jetzt am Ort des einstigen Geschehens einfand: meist Zeugen jenes 1977 begonnenen und bald Musiktheater genannten Operngeschehens, das jetzt in Worten von Mitarbeitern des im 92. Lebensjahr verstorbenen Dirigenten und Direktors der Oper auflebte.

Klaus Zehelein, Gielens Chefdramaturg, beschwor die Stoßrichtung des einstigen Konzepts eines mit einem Wahrheitsbegriff operierenden Vorgehens und seiner szenischen Umrüstung der aufzuführenden Werke. Offensichtlich wusste man da noch genau, was des Pudels Kern ist, legte frei, bürstete gegen den Strich und verweigerte den Genuss. Immer wieder wurde auf die „Aida“-Inszenierung Hans Neuenfels‘ Bezug genommen, wo ein damals empörtes Publikum den Machern den Gefallen tat, sich und ihren Kunstbegriff als widerständigen Akt zu verstehen. Da war es gut, die Stimme Christoph Nels, eines der Regisseure des Gielen-Teams zu hören, der die Müdigkeit des Dirigenten ob der Dominanz der Szene, des Egoismus der Regisseure und ihres Sendungsbewusstseins („bedingungslose Richtigkeit“) thematisierte. „Sinnlich verzauberte ästhetische Diskurssituation“ war das Wortungetüm, das ihm als Ausweg aus der Malaise einfiel.

Karl Ventulett, ehemaliger Solo-Fagottist steuerte Bemerkungen aus der Proben-Werkstatt bei, während die Gielen-Referentin Pamela Rosenberg und Intendant Bernd Loebe sich darüber unterhielten, ob ein Michael Gielen sich heute so noch einmal exponieren könnte – bei all der „Schwierigkeit, sich zu verorten“ und der Betriebspragmatik obendrein.

Unthematisiert blieb die Gielen-Ära als Fehlanzeige in Sachen Neuer Musik. Bis auf einen Zimmermann, Nono, Zender, Hespos war der Spielplan völlig konventionell. Im übrigen hatten Hans Neuenfels, aber auch Volker Schlöndorff schon in der Dohnanyi-Ära inszeniert, wo man auch noch so bezwingenden Bildern wie denen eines Klaus Michael Grüber begegnen konnte.

Das Opern- und Museumsorchester spielte Werke und Ausschnitte von Webern, Schreker und Wagner, wobei die einen großartigen Eindruck hinterlassende Interpretation des Opern-Studienleiters Takeshi Moriuchi einen Ton formte, der von dem des verehrten Meisters durchaus abstach.

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