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Beyoncé in Frankfurt.
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Beyoncé in Frankfurt.

Beyoncé

Vom Soulschrei bis zum Mädchenhauch

Unterwerfungsgesten halbnackter Muskelmännchen à la Madonna hat diese Diva nicht nötig: Königin Beyoncé im Popzirkus Maximus und Frankfurter Waldstadion.

Von Volker Schmidt

Vielleicht ist es dieses Lächeln. Oder hat jemand eine bessere Erklärung, wie Beyoncé aus für sich genommen nicht sonderlich originellen Zutaten die so ziemlich beste Show zusammenrührt, die momentan durch die Arenen des Popzirkus Maximus tourt?

Seit dem jüngsten Album „Lemonade“, einem Storytelling-Gesamtkunstwerk samt filmischer Sozial-Gender-Rassismus-Kritik, gilt Beyoncé als politisch bewusste Künstlerin. Allerdings mit viel postmoderner Doppelkodierung und ironischen Begriffsaneignungen. Die Refrainzeile „bückt euch, Schlampen“ (Bow Down) als weibliche Emanzipationslyrik zu erkennen, erfordert gewisse Vorkenntnisse. Aber hey, die Welt ist halt kompliziert.

Fünfmal zieht Beyoncé sich um an diesem Abend im Waldstadion, dem zweiten von zwei Deutschlandkonzerten. Keines der Outfits (Spitze, Goldglitter, roter Latex et al.) sieht Oberbekleidung für den Unterkörper vor – auch das lässt sich als selbstbewusster Einsatz physischer Ressourcen im Geschlechterkampf ebenso lesen wie als Affirmation einer sexistisch-kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in der auch der Körper nur eine Ware ist. Jedenfalls ist der klare künstlerische Vorteil der Bodys und Höschen, dass Beyoncé ihr Gesäß aus vollen Backen in die Tanzperformance einbringen kann.

Die beträchtliche Bühnentechnik gibt Queen B und ihrem Hof den Rahmen, wird nicht zur Materialschlacht. Meist zeigt der drehbare Riesenvideowürfel sie und ihre Tänzerinnen, manchmal Backgrounddamen oder Band, schwarze Ladies allesamt. Unterwerfungsgesten halbnackter Muskelmännchen à la Madonna hat diese Diva nicht nötig; Männer erfüllen dienende Funktionen als Roadies und Mixer. Auch Kinderbilder der kleinen Beyoncé Giselle Knowles und Videos ihrer früheren Band Destiny’s Child sind zu sehen.

Keine gnadenlos stampfende Maschine

Von „Formation“, dem Black-Power-Opener, bis zum fast spirituellen „Halo“ mehr als zwei Stunden später: Die atemlose Show zielt auf und erzielt Überwältigung. Irgendwann sprühen die Augen eines Beyoncé-Porträts Funkenfontänen.

Aber sie ist keine gnadenlos stampfende Maschine. Eben wegen dieses Lächelns, mit dem Beyoncé sich freut, wenn das Publikum die Aufforderung zum Mitsingen annimmt, des Lächelns, mit dem sie den Frankfurtern dankt, dass sie bei ihnen sein darf. Man nimmt ihr die Freude ab.

Menschlich bleibt die Show auch, weil Beyoncés Stimme sie trägt. Ebenso wandlungs- wie leistungsfähig, vom Soulschrei bis zum Mädchenhauch, vom innig Balladesken bis zur Dancefloorpeitsche. Oft genug steht, sitzt, kniet sie ganz für sich auf der Riesenbühne, eine Zwergin vorm eigenen Abbild auf dem LED-Giganten. Schade nur, dass unterm geschlossenen Stadiondeckel viel im Hall verlorengeht.

In zwei Nischen der Hauptbühne stehen Fans, die für die Präsenz im „BeyHive“ extra gezahlt haben und die Diva ein bisschen anfassen dürfen. Weit lehnt sie sich über den Bühnenrand, um ausgestreckte Hände mit den Fingerspitzen zu berühren. Bei ihrer Unfallversicherung dürfte der Balanceakt Schreikrämpfe auslösen.

Ein Laufsteg samt Transportband zwecks dekorativen Auf-der-Stelle-Schreitens führt zur Vorbühne, die sich zum Schlussakt mit knöcheltiefem Wasser füllt. „Freedom“, den Destiny’s-Child-Song „Survivor“, „End of Time“ und „Halo“ zelebriert Beyoncé dort, barfuß plantschend, Wasserspritzer im Gesicht und nasse Strähnen in der teuren Wallemähne. Dann versinkt sie im Bühnenboden. Mit diesem Lächeln.

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