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„So weit“ in der Frankfurter Festhalle: Die Metamorphosen des Peter Maffay

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Von: Marcus Hladek

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Peter Maffay mit weißer Weste auf großer Nachholtour.
Peter Maffay mit weißer Weste auf großer Nachholtour. © Imago/Revierfoto

Über zwei Jahre mussten seine Fans auf die „So weit“-Tour warten, jetzt aber geht es zur Sache, auch in der Frankfurter Festhalle.

So weit“ lautet der Name der Tour 2022, aber so weit waren die Pläne schon drei Male in zweieinhalb Jahren gediehen. So hart die Warterei aufgrund der Covid-Pandemie die besonders treuen Fans von Peter Maffay ankam, hatte sie jetzt ein Ende, zur großen Begeisterung des Publikums in der Frankfurter Festhalle.

Die erste Nachricht lautet: das Konzert mit Maffay und der zehnköpfigen Band fand statt, auch wenn es zwischendurch ein technikbedingtes Päuschen gab, weil „das Pult wieder hochgefahren“ werden musste. Vier weitere Konzerte runden die Tour aus 20 Nachholkonzerten bis in den Oktober ab.

In seiner coolen weißen Weste, mit den Tattoos, dem Schmuck an Hals und Ohr und Fingern und in seiner Fitness kam der 73-jährige Vater einer Vierjährigen trotz des Alters agiler rüber als viele Jüngere. Anfangs in Rotlicht getaucht, verteilten sich auf dem Bühnenplateau unter der Pantheon-artigen Hallenkuppel diverse Gitarristen sowie zwei Drums- und Schlagzeug-Batterien, Keys und drei bis vier Backgroundsänger, darunter Maffays Sohn. Fallweise kamen Saxofone und eine Posaune hinzu, immerzu das Tamburin und einmal eine Mundharmonika.

Für rhythmische Sicherheit und Kontinuität sorgte der Schlagzeuger Bertram Engel, der viele Jahre nach dem Ende der blond wogenden Engelslocken, die seinen Künstlernamen inspirierten, inzwischen mehr Bruce Willis ähnelt. Außerdem Ken Taylor am Bass, Pascal Kravetz an der Gitarre (in zweiter Maffay-Generation nach seinem Vater), dazu der Engländer Frank Mead am Sax und die noch junge Charly Klauser. Die brachte aus dem Fächer ihrer Begabungen den Song „Immer Jung“ und viel Begleitgesang ein, schwang aber auch das Tamburin, bearbeitete die Drums und spielte Geige, wie sie es einst als Siegerin bei „Jugend musiziert“ tat. Ob sie im dritten Teil des Konzerts gar auch im Tabaluga-Kostüm steckte?

Die Linie des Programms in 19 Liedern bewegte sich von den jüngsten beiden Alben – „So weit“ (2021) und „Jetzt!“ (2019) – zurück in Tabaluga-Zeiten und von da zu den schlagerigen Anfängen, um dann nochmal die Kurve zu kriegen. Apropos Schlager. Wer in der Haltung eintraf, Peter Maffay sei ihrethalben nicht so ganz der eigene Geschmack, wurde im Lauf des Abends vielleicht nicht zwingend bekehrt, aber mit Sicherheit viel offener.

Maffay hat diese Schlagervergangenheit, und die vielen „Bravo“-Titelseiten mit dem sehr jungen Sänger auf Monitoren über der Bühne erinnerten daran. Aber so, wie er sich und seine Musik aus 50 Jahren präsentierte, war und ist er sehr viel besser als das Schlagerfuzzi-Zerrbild, das in denkfaulen Köpfen bis heute überlebt. Dass er ohne Scham zu diesem Teil seines Lebens steht, spricht zumindest charakterlich für ihn. Vor allem aber zerkrümeln die musikalischen „Metamorphosen“ (Maffay) seither das Schlagererbe gehörig und machen weithin (bis auf die „Sieben Brücken“ im Schlussteil) etwas durchaus Neues daraus.

Kurz und gut, das Merkmal „Schlager“ ist eher soziokulturell als musikalisch definiert. Wer will, könnte ebenso wohl Bach, die Stones oder Bob Dylan verschlagern – oder alte Maffay-Titel durch intelligentes Umarrangieren und neue Zugänge retten, wie man es nie für möglich hielte. Wo liegt musikalisch der Unterschied zwischen einer Pop- oder Rockballade und dem, was bei anderer Produktion, Vermarktung und öligem Studiosound Schlager genannt wird? Von all dem zeugte der satt-rockige Grundsound dieses mal pompösen, mal besinnlichen, ansagereichen und insgesamt sehr gelungenen Abends.

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