Trio Ivoire

So rund wie kantig

  • vonStefan Michalzik
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Das Trio Ivoire zwischen Weltmusik und Jazz in Frankfurts Alter Oper.

Das ist eine Musik, die in der Jazzreihe der Frankfurter Alten Oper ebensogut aufgehoben wäre wie bei der Weltmusik, wo sie jetzt zu erleben gewesen ist. Beim Trio Ivoire, gegründet vor gut zwanzig Jahren in der Elfenbeinküste, geht es um eine Grenzüberschreitung, die jeden konventionellen Begriff von „Weltmusik“ sprengt. Der Hamburger Hans Lüdemann, ein Jazzpianist von Rang, hat zu Beginn von „Hombori“, dem ersten Stück an diesem Abend im Mozart-Saal, ein unbegleitetes Solo. Es ist durchsetzt mit Griffen beiseite am laptopgestützten Keyboard und knüpft an den musikalischen Minimalismus an. Allerdings weniger an die amerikanischen Minimalisten als viel eher an den ungarischen Komponisten György Ligeti, mit einer Affinität zur Freien Spielweise obendrein.

Mit seinem Spiel auf dem westafrikanischen Balafon, einer der ältesten Erscheinungsformen der Xylofonfamilie, ausgestattet mit hölzernen Platten und Kalebassen als Resonatoren, sprengt der 1969 in Côte d’Ivoire in eine Griotfamilie geborene und heute in Berlin lebende Aly Keïta die Tradition des Instruments, das er in eine dreireihige Dimension gebracht hat, und überführt es in die Moderne. Die Repetitionsmuster der westafrikanischen Musik schimmern durch sein Spiel hindurch, auch hier jedoch bleibt die Verbindung zu einer global nördlichen Musik, die ihre Inspiration aus ebendieser wie auch asiatischen Musikkulturen offenbart. Der Kölner Schlagzeuger Christian Thomé ist ein Klangwerker wie dann auch wieder ein klassischer Timekeeper, mal auch ist sein Tun schlicht ein integral verwobener Teil der repetitiven Geflechte.

Beinahe schon poppig

Ohne irgendein Drumherum ist dieses (auch über Umbesetzungen am Schlagzeug hinweg) außergewöhnliche Trio immer noch am besten; die vielen Gäste auf dem kürzlich erschienenen Album „Enchanted Forest“, aus dem sich das Repertoire des Frankfurter Konzerts speiste, hätte es nicht gebraucht. Da ist mal eine rhythmische Grundierung, die auf den Blues zurückgeht, dann wieder wartet Hans Lüdemann mit einem dumpf metallischen Sound am Keyboard auf, mal auch findet sich unter seinen Kompositionen eine Nummer mit einem beinahe schon poppigen Groove.

Bei allem Formbewusstsein schwingt der Aspekt des Entertainments – unaufdringlich – durchaus mit, gesteigert, wenn Aly Keïta auf dem Lamellophon Sanza unbegleitet Beethovens Ode an die Freude anstimmt. Die Zugabe schließlich erinnerte an die geschliffene rhythmische Vertracktheit eines Dave Brubeck. Im schönsten aufgehobenen Widerspruch ist die Musik des Trio Ivoire so rund wie kantig.

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