Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rapper Slowthai.
+
Rapper Slowthai.

Rap-Album

Die neue Innerlichkeit

  • VonStefan Michalzik
    schließen

Der britische Rapper Slowthai und sein Album „Tyron“.

Er wisse, dass er anecke, hat Slowthai kürzlich in einem Interview gesagt. Auf seinem 2019 erschienenen und zu Recht als eine der Sensationen des Popjahres gehandelten Debütalbum „Nothing Great About Britain“ rappte der aus der britischen Industriestadt Northampton stammende Musiker in vehement sozialkritischen Texten rüde skandierend über die Übelstände im Land und wetterte gegen den Brexit. Ein Werk geboren aus der Wut auf eine Politik im Zeichen der neoliberalen Ideologie, die der Arbeiterklasse keine Perspektive bietet.

Slowthai ist ein sozialkritisch motivierter Chronist mit teils autobiografisch, teils aus der Beobachtung seines Umfelds motivierten Bildern, so rappte er von einer trostlosen Kindheit als „mixed race“-Sohn einer sehr jungen alleinerziehenden Mutter in der Stadt in den Midlands. Hier ging es in klaren Worten um eine Positionierung wider einen Klassenkampf von oben. Eine Note von Punk inbegriffen, mit Einfluss nicht zuletzt vom nicht minder wütenden Mike Skinner von The Streets.

Anecken – gut. Auf der anderen Seite präsentierte sich Slowthai bei der Vergabe der NME-Awards im vergangenen Jahr, wo er als „Hero of the Year“ ausgezeichnet werden sollte, offenkundig betrunken oder bekifft als rüpelnder Macho und brüskierte die Moderatorin Katherine Ryan mit sexistischen Anmachsprüchen – was ihm einen mächtigen Shitstorm einbrachte. Seine anschließende Entschuldigung: hoffentlich mehr als wohlfeile Schadensbegrenzung. In seinen Liveshows wirft Slowthai gerne mit F-Wörtern um sich. Zu Beginn entspringt er mitunter einem Sarg, wie einst der legendäre Screaming Jay Hawkins.

Das Album

Slowthai: Tyron. Polydor/Universal.

Der zweite Meisterwurf

Mit den – in Versalien geschriebenen – ersten sieben Titeln auf „Tyron“, dem jetzt vorliegenden zweiten Meisterwurf, knüpft Tyron Kaymone Frampton, wie der 26-Jährige von Geburt heißt, einigermaßen bruchlos an das Debüt an: Hier ist er als genau beobachtender Chronist der Verhältnisse zu erleben. Immer wieder ist reichlich Wortwitz im Spiel.

Die düstere Musik ist eine Mischung aus Grime und Punk, auch Industrial. In „Cancelled“, im Duett mit dem Rapper Skepta, spielt Slowthai auf den NME-Eklat an. In der zweiten Hälfte der 14 Songs, hier sind die Titel kleingeschrieben, schlägt Slowthai einen ganz anderen Ton an: Es handelt sich um introspektive Bekenntnisse. Die Musik lässt Momente von Soul und Folk anklingen. Jeder von uns habe eine Seite, die er gern zeige, und eine andere, die er eigentlich lieber verborgen halte, so der Musiker im Interview über die Zweiteilung des Albums. In „Feel Away“ etwa, einem Song um das Ende einer Liebe, wartet er im Verein mit James Blake und Mount Kimbie gar mit einer Art von Kuschelpop auf. „Dream, come and rescue me“, komm und rette micht.

35 Minuten dauert das Album nur. Vorbildlicherweise enthält dieses starke Werk kein Füllmaterial, wie im Rap seit Jahren üblich, ist nicht aufgebläht, um größere Erlöse aus den Streamingportalen zu erzielen. Der Auszeichnung mit dem Hero-of-the-Year-Award befand sich Slowthai im Übrigen am Ende selbst nicht für würdig – und schickte die Ehrung an Katherine Ryan.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare