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Carrie Brownstein (hinten) und Corin Tucker von Sleater-Kinney.
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Carrie Brownstein (hinten) und Corin Tucker von Sleater-Kinney.

Album von Sleater Kinney

Sleater-Kinney: „Path Of Wellness“ – Es ist ein Liebeslied

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Zartheit und Wut: Sleater-Kinney liefern mit „Path Of Wellness“ eine der Platten des Jahres ab.

Sleater-Kinney benötigen 39 Minuten, um sich neu aufzustellen. Mit Nachdruck, Schneid, einer Selbstgewissheit, die künstlerische Sturheit und individuelle Unabhängigkeit in sich birgt. Niemand weiß besser, wie wechselhaft und unvorhersehbar das Dasein auf diesem Planeten beschaffen ist. Die Portland-Band hat mit „Path Of Wellness“ auf die mannigfaltigen Veränderungen der beiden zurückliegenden Jahre reagiert.

Elf erstmals selbst produzierte Stücke, ins Werk gesetzt mit Musikern aus der Nachbarschaft, Raum schaffend sogar für Bass, Wurlitzer, Clavinet. Elf Songs, die stilistisch changieren, andere Spielfelder für die seit den frühen 90ern agierenden Riot-Grrrl-Aktivistinnen eröffnen. Die zudem – und dies wiegt verdammt schwer – seit 2019 ohne Schlagzeugerin Janet Weiss auskommen müssen.

Kann es also gelingen ohne treibende Wuchtzentrale, jetzt als Duo, ehern vertrauend auf zwei Stimmen, zwei Gitarren, zwei Temperamente? Carrie Brownstein und Corin Tucker sind keine Menschen, die dem Vergangenen lange nachtrauern, die rat- und mutlos werden. Stets haben sie dem Unverstand die Stirn geboten, sich politisch und feministisch klar positioniert. Kurzum: „Path Of Wellness“ ist eine wundervolle Rock-Platte, ein Signum für eine uns durchschüttelnde Gegenwart.

Das Album

Sleater-Kinney: Path Of Wellness. Mom + Pop / Bertus.

Noch immer entsenden ihre Sechssaiter ganze Hornissenschwärme, elektrisch, energisch, unberechenbar. Von hakenschlagender Raffinesse durchdrungen sind „Favorite neighbor“ oder „Tomorrow’s grave“, zornig wie eh und je, gehärtet. Doch scheint die Ära vorbei, in denen durchgepeitschte Krawall-Hymnen die Szenerie des Kinney’schen Schaffens definierten. Heute erlaubt sich die unbeugsame Brownstein zuweilen Gitarrenläufe, die nur knapp vor dem Tor ins Jam-Jenseits innehalten, sich durch sanftere Flußauen schlängeln.

Die 46-Jährige ist es auch, die in „Method“ das absurde Dilemma unserer Tage in atemlos-vibrierender Manier zu Gehör bringt. „I’m singing about love, / and it’s coming out like hate.“ Um am Ende mit einem dringlichen „It’s a love song / it’s a love song“ abzuschließen. Überhaupt ist die Intonation der hier versammelten widerborstig-unbestechlichen Zart- und Klugheiten ein Genuss. Waren Tucker und Brownstein je besser in ihrer stimmlichen Durchdringung?

Auf einem Tonträger, der mit einem Titelsong a la „Path Of Wellness“ anhebt, kann nichts zur Hölle fahren. Mit einer Leichtigkeit, einem flotten Groove bringt sich Corin Tucker gegen jede Erwartung, jeden Widerstand in Positur. So selbstverständlich und frischwärts wurde ein Underground-Erbe selten geschultert. Unvergessliche Hooklines prägen diesen „Wellness“-Tempel, in dem klassisch gewordene Rockbrocken zum Sprudeln gebracht werden.

Es wird kein Zufall sein, dass mit „High In the Grass“ auch an Tuckers Intermezzo bei Filthy Friends erinnert wird – deren zwei Alben von 2017 und 2019 bleiben Empfehlungen. Kraftvoll ist alles, was die beiden Sleater-Kinney-Gründerinnen auf ihre Neuheit packen, zugleich eine kreative Verschmelzung zweier „Complex female characters“ sondergleichen dokumentierend.

Sie beziehen ihre Energie aus einem Glauben, der auf Hoffnung gründet. „Bring mercy“ spricht von Isolation, Gewalt, dem Dreck in den Straßen und Köpfen. Voller wilder Schönheit und Eleganz ist dieses Abschlussstück, voller Licht auch: „Bring mercy, bring love / No need to attend the people we were before.“ Sleater-Kinney haben das Gatter aufgestoßen. – Großes Album, große Band.

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