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Sleater-Kinney in der Batschkapp: Kantig und reduziert

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Katie Harkin höflich und Sleater-Kinney wuchtig in der Batschkapp.

Draußen sitzen wir da in der Kälte. Ich frage, welches Bandshirt sie anhaben. Einer wünscht sich, dass es heute Abend knallt, nicht so viel Geklimper vom neuen Album, das wünscht er sich. Drinnen spielt schon Katie Harkin, sie wird später auch bei Sleater-Kinney mitspielen. Harkin und Band spielen Indierock der 90er. So höflich wie der Applaus ist die Musik. Es sind vielleicht 600 Leute da, die Batschkapp bei weitem nicht ausverkauft, mehr Frauen als Männer, im Schnitt 40 Jahre, Ringel-shirts und Wollpullover. Drei Soziologiedozenten von früher stehen im Publikum neben mir.

Die Zukunft ist klar

Sleater-Kinney gehören seit Anfang, Mitte der 90er zu den bekanntesten Riot Girls-Bands der Welt, also jener losen Gruppe von (vor allem) Frauen, die sich gegen den Chauvinismus in und außerhalb der Rockmusik engagieren. Wunderbar an Sleater-Kinneys Sound ist dabei immer noch, wie kantig und reduziert und im Offbeat das funktioniert. Maßgeblich getragen wurde das immer von der überragenden Schlagzeugerin Janet Weiss. Dass sie nicht mehr dabei ist – sie ging im Streit über fehlenden kreativen Einfluss auf dem neuen Album „The center won’t hold“ – nimmt leider auch live etwas von der filigranen Wucht.

Sie spielen viel vom aktuellen Album, das entfernt sich vom Rocksound der Vorgänger, es klingt elektronischer und indirekter. Live ergibt sich so eine gewisse (und gelungene) Spannung zwischen dem Punch der älteren und der groovigen Schwere der neuen Stücke. Dass Sleater-Kinney nicht bloß vom Früher zehren wollen, ist ihnen hoch anzurechnen. Und dass dann eben doch die Klassiker so viel deutlicher abgefeiert werden vom Publikum, ist auch so vorhersehbar wie ernüchternd.

Andererseits waren in Zeitungen gerade auch Texte zum Comebackauftritt der Strokes in Berlin zu lesen, die sich vor Euphorie überschlugen. Wer braucht ein solches Expertenwissen? Toter kann das Schreiben über Rockmusik nicht sein.

Sängerin und Gitarristin Carrie Brownstein sagt spät noch ein paar Sätze zur politischen Situation: Sie sei keine Expertin in europäischer Politik, aber es sei doch klar, dass die Zukunft sowieso nicht den alten Männern gehöre, die Zukunft gehöre den „Immigrants“, und den Kindern. „The future is here.“

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