Alte Oper Frankfurt

Sinn für Ausbruch

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Jennifer Larmore und Thomas Hengelbrock setzen zu Beginn des Haydn-Jahres Ausrufezeichen. Die Mezzosopranistin singt die Solokantate "Berenice che fai" mit intensivem, intelligent abgestuftem Ausdruck und mit brillanter Technik.

Genau zehn Jahre ist es nun her, doch vergessen hat man es nicht: Als die amerikanische Mezzosopranistin Jennifer Larmore 1998 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst die Titelpartie in einer von René Jacobs geleiteten und traumbesetzten konzertanten "Giulio Cesare"-Aufführung sang, war zu Recht von einer Sternstunde des Barockgesangs die Rede.

Dabei ist die Amerikanerin, die auf deutschen Bühnen nie so ganz Fuß fasste, keineswegs pauschal auf Alte Musik gebucht. Ähnlich wie ihre Fachkollegin Cecilia Bartoli, mit der Jennifer Larmore oft, aber meist dann doch nachteilig verglichen wurde und wird, ist die Amerikanerin vor allem im Belcanto-Fach zu Hause, in jüngster Zeit legte sie hier etliche Opernraritäten auf CD vor. Doch setzt die so angenehm natürlich gebliebene Sängerin in den mittlerweile 22 Jahren ihrer Mezzo-Karriere auch im Barocken so manch beachtlichen Maßstab.

Jetzt war Jennifer Larmore, die im vergangenen Jahr 50 geworden ist und auch keinerlei Geheimnis aus einer solchen Zahl macht, wieder in Frankfurt, diesmal in der Alten Oper: Gemeinsam mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock und dem Frankfurter Museumsorchester setzte sie ein erstes Ausrufezeichen für das Haydn-Gedenkjahr 2009.

Die Mezzosopranistin mit dem Sinn für den pointierten dramatischen Ausbruch sang die Haydn-Solokantate "Berenice che fai" - und das mit intensivem, intelligent abgestuftem Ausdruck, mit brillanter Technik und einer Mezzostimme, die für Haydns unglückliche Heldin jede Menge Durchschlagskraft und Inbrunst zur Verfügung stellte. Alleine im kurzen lyrisch-schwebenden Mittelteil dieser "Scena di Berenice" störte Larmores dann doch überproportional wirkendes Vibrato, und bei reduziertem Volumen machte sich eine gewisse Enge im Formen der Töne bemerkbar. Das Lyrische duftig zu gestalten, ohne das eigene Timbre verleugnen zu müssen, das war schon immer die Disziplin gewesen, in der Jennifer Larmore deutlich hinter Cecilia Bartoli zurückgeblieben ist.

Die Haydn-Programmpunkte in diesem Museumskonzert machten mehr noch als die nicht immer optimal durchorganisierte anschließende Dvorák-Achte klangliche Temperaturzustände besonders deutlich. So schneidend kalt den Musikern des Museumsorchesters die "eisigen Schauer" im Tutti der Berenice-Szene gelangen, so mit Reibungshitze aufgeladen durfte zuvor die Sinfonie Nr. 53 mit dem Beinamen "L'Impériale" enden.

Thomas Hengelbrock, der, aus dem Lager des Originalklangs kommend, ein Händchen hat für temporeich-effektvolles Vollblutmusizieren, hatte sich bei dieser eher selten aufgeführten Haydn-Sinfonie für eine Mischversion entschieden: Den Kopfsatz nahm er aus der Zweitfassung (mit langsamer Einleitung), für das Finale aber griff er auf den rasant-überdrehten Ouvertüren-Satz zurück, mit dem Haydn ursprünglich diese "L'Impériale"-Sinfonie hatte enden lassen.

Feinnervig die Phrasierung, vital atmend die Kantilenen, sparsam das Vibrato, leicht der Bogen, nicht nur der des Konzertmeisters Ingo de Haas bei seinem herrlich delikaten Solo im Andante - das Museumsorchester zeigte einen absolut zeitgemäßen Haydn, der durch einige intonatorische Unsauberkeiten der Streicher nicht wirklich beeinträchtigt wurde.

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