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Singer-Songwriterin Shitney Beers bleibt sich treu

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Shitney Beers
Die Hamburger Musikerin Shitney Beers trinkt kein Bier mehr. © Sebastian Igel/Fleet Union/dpa

Das zweite Album der unkonventionellen Singer-Songwriterin Shitney Beers aus Hamburg kommt ziemlich schnörkellos daher. Und sie verrät auch, dass ihr Künstlername gar nicht mehr 100-prozentig passt.

Hamburg - Mit ihrem zweiten Album, „This Is Pop“ schreitet Singer-Songwriterin Shitney Beers weiter auf ihrem Weg, Musik ohne Firlefanz und Schnörkel machen zu wollen. Beinahe karge Klampfenklänge, dazu ihre berührende, mal hohe, mal fast bassige Stimme, mal dünn, mal ausdrucksstark, erschaffen eine Art „Anti-Pop“, der so im Gegensatz zum Albumtitel steht.

Die 26-Jährige, die bürgerlich Maxi Haug heißt, sagt dazu: „Zugegebenermaßen weiß ich echt nicht, was Pop ist. Ist es ein Genre, eine Bewegung, ein Trend? Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht genau, welches Genre ich bediene. Im Endeffekt ist es egal. Das Wichtigste ist, dass ich mir selbst treu bleibe.“

Songs mit einem frechen Grinsen garniert

Und das bleibt sie. Auf ihrem Debütalbum „Welcome To Miami“ aus dem Jahr 2021 widmete sie sich Themen wie Gentrifizierung und Feminismus, diesmal geht es viel ums Scheitern, aber auch Partnerschaft, Freund-Sein und eben Pop. Ihre Texte sind, ebenso wie ihre Antworten im Interview, nicht nur mit einem Augenzwinkern, sondern mit einem frechen Grinsen im Gesicht zu verstehen, aber manchmal auch wütend oder verzweifelt.

Shitney Beers bedient sich aller Gefühle, die über sie hereinbrechen: „Ich bin schlecht darin, meine Gefühle normal auszudrücken. Es fällt mir einfacher, das in Songs zu packen. In der Regel klimpere ich ein bisschen herum und wenn ich etwas anhörbar genug finde, stecke ich da das rein, was mich gerade beschäftigt.“ So entsteht das so packende Songgemisch von dem nachdenklich-gefälligen „Blue“ mit sanften Gitarrensounds, das auf das Punk-Brett „Hun So Low“ folgt und deshalb umso ruhiger wirkt. In „Callisto“ und „Pop Queen“ widmet sich Shitney Beers angeblichen Göttinnen und deren Scheitern.

Immer wieder überrascht sie mit Wendungen in ihren Texten, etwa in „Long Distance“. Dort heißt es: „Du denkst an mich, wenn ich weg bin. Aber ich wäre viel lieber allein. Du schreibst mir mehrere Male am Tag. Aber ich habe nicht viel zu sagen.“ Oder in „Cast“, wo sie mit einem bekannten Songzitat spielt: „I hit the road and the road hit back.“ Ihre Texte und Songs haben etwas Tragikomisches, etwa „Peaches Style“, wo es heißt: „I’ve tried to fuck the pain away peaches-style“. All das spiegelt ihre Sicht auf die Welt wider: „Es ist eine wilde Mischung aus Nachdenklichkeit, Wut, Lethargie und Ohnmacht - je nach Stimmung und Umfeld.“

Und so begegnet uns Shitney Beers auf ihrem zweiten Album mit einer gehörigen Portion Galgenhumor, den sie gern an den Tag legt - auch wenn sie ihren an Britney Spears erinnernden Künstlernamen erklärt. „Mein richtiger Name hat echt keinen schönen Klang. Früher habe ich immer gesagt, dass ich mich Shitney Beers nenne, weil ich scheiße bin und gerne Bier trinke. Jetzt trinke ich kein Bier mehr.“ Sagt eine ungewöhnliche Künstlerin, von der noch einiges zu erwarten ist.

Das Album „This is Pop“ erscheint beim Labek Grand Hotel van Cleef, als LP (19,10 Euro) und CD (15,00 Euro). dpa

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