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Sol Gabetta und Dirigent Lionel Bringuier.

Sol Gabetta

Die singende Cellistin

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Sol Gabetta mit dem Royal Philharmonic Orchestra in der Alten Oper Frankfurt.

Mit Otto Nicolais Ouvertüre zur Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ eröffnete das Royal Philharmonic Orchestra aus London sein Gastspiel bei Pro Arte in der Alten Oper Frankfurt. Ein englischer Export aus der Feder Shakespeares in freundlicher, singspielerischer Übernahme durch den ostpreußischen Komponisten, der mit dem vertonten Stoff um den Schürzenjäger Falstaff und die Cleverness der „merry wifes of Windsor“ seinen größten Erfolg in biedermeierlichen deutschen Landen hatte.

Man spielte das jetzt eher schwer und schmissig, ein bisschen zu britisch-imperial in Blech und Beckenschlag, was den handwerklichen Tüfteleien in den Mini-Fugatos der Streicher samt harmlos-sehnsüchtigem Waldesrauschen-Ton die kecke Niedlichkeit nahm. Eine hübsche Anmerkung insgesamt zum momentanen deutsch-britischen Verhältnis.

Das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Sir Thomas Beecham gegründete, einstige Top-Orchester britischen Klangadels ist ein musikalischer Allesfresser, seit dem Album von Ekseption aus den frühen Siebzigern, den in fast allen Charts platzierten „Symphonic Rock“-Alben, ebenso wie „If I Can Dream“ und jüngst einem Album mit Helene Fischer. Die königlichen Philharmoniker sind sich nicht zu schade für unzählige Filmmusiken, UEFA-Hymen etc.pp.

Als reinen Export hatte man Edward Elgars e-Moll-Cellokonzert im Gepäck und Sol Gabetta als Solistin verpflichtet. Eine beste Wahl, denn der sowohl weit ausgezogene, fein legierte Ton der 37-Jährigen, als auch ihr leichtes, gleichwohl gebunden bleibendes virtuoses Spiel kommen der verhaltenen, altersreduzierten und retrospektiven Stellung des 1919 in London uraufgeführten Werks sehr entgegen.

Der Dirigent des Abends, der 33-jährige Franzose Lionel Bringuier, blieb hier sehr verhalten, ließ die dezente Klangfolie des Tutti wenig moduliert erscheinen – etwas unbeweglich und träge fast. Der Begeisterung für das Spiel der Argentinierin tat das keinen Abbruch. Die revanchierte sich mit einer Zugabe, bei der sich zeigte, dass nicht nur die Cellostimme Gabettas, sondern auch ihre Sopranstimme sehr schön ist. Dank Peteris Vasks „Dolcissimo“, wo nicht nur die Saiten, sondern auch die Stimmbänder des Instrumentalisten gefordert werden.

Zum Schluss Sergei Rachmaninows einstündige 2. Sinfonie.. Hier ganz auf bildnahe Narration abgestellt – und ständig zwischen aufbrechender, lösender Lichtheit sowie apokalyptischer Härte und manischem Verfolgtsein hin und her geisternd und dräuend. Besonders die beiden ersten Sätze waren mit bezwingender instrumentaler und interpretativer Kompetenz gestaltet.

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