Alexander von Schlippenbach.
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Alexander von Schlippenbach.

Jazz

Sie sind wirklich unsterblich

  • vonStefan Michalzik
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Das Nonplusultra: Alexander von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lytton im Frankfurter Mousonturm.

Seit 1971 schon gibt es das Trio um den Pianisten Alexander von Schlippenbach, Evan Parker am Tenorsaxofon und den Schlagzeuger Paul Lovens, „das unsterbliche Trio“, wie es Schlippenbach, der Leader, im Begleitheftchen zu dem jüngsten Album „Warsaw Concert“ apostrophiert. Man weiß genau, was einen erwartet, und es geschieht auch nichts spektakulär Überraschendes an diesem Abend im Lokal des Frankfurter Mousonturms.

Daran ändert der Umstand nichts, dass Lovens aus Altersgründen inzwischen nur noch selten auftritt und auch diesmal Paul Lytton an seine Stelle tritt. Nichts Überraschendes, und doch ist an Routine nicht zu denken. Die Musik ist eine des Augenblicks wie eh und je – und insofern trifft die Zuschreibung „unsterblich“ ins Schwarze und kann für weitaus mehr als bloß die ungemeine Kontinuität des Bestands stehen.

Schlippenbach, einst Kompositionsschüler des wegweisenden Postserialisten Bernd Alois Zimmermann, war in den sechziger Jahren zusammen mit seinen Weggefährten Peter Brötzmann, Gunter Hampel und Manfred Schoof einer der Pioniere der europäischen Spielart des Free Jazz. Thelonious Monk ist einer seiner Leitsterne, Ende der fünfziger Jahre schon hat er sich mit ihm beschäftigt, später mit dem Globe Unity Orchestra seine Stücke gespielt; vor zwölf Jahren schließlich legte er eine Liveeinspielung mit Monks kompositorischem Gesamtwerk vor.

Und natürlich spielt Monk auch an diesem Abend eine große Rolle. Die Solisten musizieren auf Augenhöhe, in einem freien, gleichwohl strukturierten Spiel der Kräfte, nach einer Technik, die Schlippenbach selber als „Free-Jazz-Arrangement“ bezeichnet hat. Ein Wechsel von bestimmten Kombinationen der Instrumente und von Solopassagen ist festgelegt, auf dieser Basis wird unter Gebrauch von jazzhistorischen Zitaten, etwa von Monk, frei improvisiert.

Im Solospiel von Schlippenbach (79) klingen Jelly Roll Morton und die Frühgeschichte des Jazz an, später auch der perkussive Klavierstil Cecil Taylors und die Spätromantik. Das mittels Zirkularatmung in eine tendenzielle Endlosigkeit getriebene Spiel von Parker (73) erinnert phasenweise an den musikalischen Minimalismus. Die Musik hat ganz entschieden einen Groove, das Spiel von Paul Lytton (70) indes ist eher eines des Klangs und weniger ein Pulsgebendes.

Dem über eine Selbst-Traditionalisierung erhabenen Spiel dieses kanonisierten Ensembles kann die Zeit nichts anhaben – unvermindert markiert es ein Nonplusultra.

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