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Simply Red in der Festhalle: Die Jahre festhalten

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Von: Volker Schmidt

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Mick Hucknall von Simply Red.
Mick Hucknall von Simply Red. © imago

Simply Red mit den altvertrauten Titeln in der Frankfurter Festhalle.

Ein wenig seltsam ist es schon, wenn eine Band so gar nichts von ihrem jüngsten Album spielt. Bei Simply Red ist das oft so: Mick Hucknall, Gründer, Leadsänger und mit roter Mähne auch Namensgeber der Band, blickt viel zu gern zurück in die Zeit seiner großen Hits, also etwa 1986 bis 1993, als dass er sich mit dem neuen Material etwa von „Blue Eyed Soul“ (2019) aufhalten würde.

Als Vorgruppe in der Frankfurter Festhalle spielt die Luke Andrews Band um den als Lukas Ehrenhöfer im niederösterreichischen Feistritz am Wechsel geborenen Talentshow-Gewinner. Auch wenn Simply-Red-Keyboarder Dave Clayton beim Debutalbum des Projekts mitgewirkt hat und es 2018 eine Single an die Spitze der Ö3-Charts schob: Mehr als nett ist das nicht.

Simply Red beginnt gemütlich mit einem halben Dutzend Balladen bis Mid-Tempo-Nummern. „Say You Love Me“ ist dabei, „For Your Babies“ und „Holding Back the Years“. Dessen Refrain – „I keep holding on“ – könnte das Motto des Abends sein: festhalten an Erinnerungen, wie sie bildlich auch auf den Leinwänden auftauchen.

„Holding Back the Years“ thematisiert Hucknalls Kindheit in einem Arbeiterviertel in Manchester, den Weggang der Mutter, als Mick drei war, den alleinerziehenden Vater: „Strangled by the wishes of pater / Hoping for the arms of mater / Get to neither sooner or later“ – eine traurige Psychoanalyse, 1984 noch für Hucknalls Punk-Band „The Frantic Elevators“ geschrieben, eingeschmiegt in klangschöne Arrangements und kuschelrock-cd-taugliche Akkorde.

Hucknall trägt immer noch Wuschelkopf. Ob der 62-jährige Friseursohn bei der roten Farbe inzwischen nachhilft? Keiner seiner sechs Musiker stammt aus der Gründungsriege der Band von 1985. Saxofonist und Keyboarder Ian Kirkham immerhin ist seit 1986 dabei. Gitarrist Kenji Suzuki, Bassist Steve Lewinson, Kevin Robinson an Percussions, Trompete und Flügelhorn und Keyboarder Clayton kamen in den späten 90ern, haben die Auflösung der Band 2010 und den Neustart 2015 überstanden, Drummer Roman Roth stieß 2015 dazu.

Nach den ruhigen Einstiegssongs ranzt Hucknell die Security an, sie sollten gefälligst die Leute vor die Bühne lassen, das sei schließlich seine Show – aber warum ist sie dann bestuhlt? Jedenfalls setzen nun die tanzbaren Nummern ein: „Thrill Me“, „Come To My Aid“, „My Mirror“. Das Publikum steht, tanzt, jubelt. Selbst wenn man nie ein Simply-Red-Album besessen hat, man kennt fast alles aus dem Radio, und auch die Sounds sind altvertraut, dieses typische 80ies-Synthesizerklavier, funky Gitarre, die Bläsersätze von Kirkham und Robinson, manchmal ein MIDI-Blasinstrument.

Nach „Stars“, „Sunrise“, „Something Got Me Started“ und „Fairground“ Abgang. Die Zugaben eröffnet der neue Song „Better With You“, wohl noch unvollendet, jedenfalls kurz. Den stadiontauglichen Mitsing-Refrain „it’s so good to be together“ nimmt das Publikum dankbar auf. Es folgen „Money’s Too Tight To Mention“ und als Rausschmeißer jenes Lied, das in Hessen dank Badesalz nur noch als „Evi du wohnst in Bad Nauheim“ gehört wird: „If You Don’t Know Me By Now“. Nach kargen anderthalb Stunden Simply Red ist Schluss.

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