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Rheingau Musik Festival

Simone Rubino in Kloster Eberbach: Große Gesten und jenseits davon

  • VonVolker Schmidt
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Der Schlagzeuger Simone Rubino mit einem intensiven Bach-Piazzolla-Programm beim Rheingau Musik Festival.

Die große Geste kann ins Auge gehen. So engagiert drischt Simone Rubino in Astor Piazzollas Sommer-Tango „Verano porteño“ auf sein Vibraphon, dass einer der Schlegel arg abprallt und das Auge erwischt. Rubino lacht auf und spielt energiegeladen weiter. Rubinos ausgelassene Körperlichkeit füllt die Basilika von Kloster Eberbach. Er tanzt vor seinem Instrument und im Rund der Musikerinnen und Musiker von La Chimera, dem Barock-Ensemble, mit dem er beim Rheingau Musik Festival gastiert. Er holt weit aus, streichelt in langsamen Passagen in weitem Bogen über die Metallplatten. Die Spielfreude lässt ihn so fröhlich lächeln, dass es schwerer Defizite in den Spiegelneuronen bedürfte, um sich nicht anstecken zu lassen.

Auch musikalisch neigt Rubino zur großen Geste. Fermaten strecken sich, Melodielinien ragen als Hochrelief aus dem Ensemblespiel. Gelegentlich streicht Rubino die Platten mit dem Geigenbogen an. Es ist eine deutliche Musiksprache in satten Farben, kippt aber nicht ins Plakative. Schon das Programm ist ein Geniestreich: Johann Sebastian Bach trifft Astor Piazzolla. Rubino hat mit elf Jahren begonnen, Schlagzeug zu lernen, und zugleich im Kinderchor der Turiner Oper gesungen. Für eine Aufführung der Zauberflöte musste er damals Deutsch lernen und kann es bis heute. Er erläutert, dass es so wenig Literatur für sein junges Instrument gibt und er von Bach gelernt hat, es zum Singen zu bringen. Den Barockkomponisten wiederum verbinde mit dem Tango-Großmeister, dass der Rhythmus für beide eine zentrale Rolle spielte.

Piazzolla hat sich bei Bach aber auch Kompositionstechniken abgeschaut, wie der Titel von „Fuga y Mysterio“ verrät. Rhythmische Elemente sind im Tango naturgemäß deutlicher als bei Bach; da wird an Basssaiten gezupft, auf Cello-Körper geklopft und über Bandoneon-Knöpfe geratscht. Aber auch in Bachs Violinkonzert E-Dur (BWV 1042) ist zu hören, was Rubino meint: als seien die schnellen Passagen für die Schlegel des Schlagwerkers, nicht für den Bogen komponiert.

Die Chimäre ist ein mythologisches Mischwesen. Auch La Chimera, 2001 als Gamben-Consort entstanden, hat viele Gestalten. Unter der Leitung des Lautenisten Eduardo Egüez konzentriert es sich auf Programme wie dieses, die Alte Musik in Beziehung setzen etwa zu modernen Werken, zu Volksmusik aus Südamerika und Westafrika oder eben zum Tango. Dazu wechselt die Besetzung nach Bedarf – in Kloster Eberbach ergänzen neben Egüez ein Bandoneonist und ein Cembalo oder ein Flügel ein Streichquintett.

Und einmal, für Bachs „Chaconne“ aus der Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo (BWV 1004), steht Rubino allein auf der Bühne. Mitreißend ist der ganze, coronabedingt kurze Abend – aber dieses Solo ist das Glanzstück des 1993 geborenen Schlagwerkers: Hier beweist er, wie tief er sein Material durchdringt, wie innig er von der Musik Besitz ergreift – jenseits aller Gesten.

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