Festhalle Frankfurt

Silbermond: Auf leuchtenden Schwingen

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Silbermond kommen auf „Schritte“-Tour auch in die Frankfurter Festhalle und bieten einen abwechslungsreichen Abend.

Siebentausend Zuschauer füllten den gewaltigen Kuppelbau von vor dem Ersten Weltkrieg weithin aus. Schon vor dem Beginn der nicht wilden, aber bunt angeregten Multimedia-Bühnenshow zur „Schritte“-Tour bestaunte das Publikum die leere Bühne, die halb an einen Garten mit Blüten und Tieren in Pop-Art-Größe, halb an die vollgerümpelte Grabkammer von Tutanchamun erinnerte.

Eine Vorgruppe gab es nicht, doch genügten neun der zehn Titel vom jüngsten Album „Schritte“, elf aus dem Repertoire und ein Gastauftritt von Rapper Moses Pelham, der wie einst in „Sing meinen Song“ Lena Meyer-Landrut trällerte („Meine Heimat ist dein Herz“), damit der Abend seine zweidreiviertel Stunden intensiv und abwechslungsreich ausfüllte. Ein „voice kid“ holte sich Stefanie Kloß auch noch herauf. Ansonsten steigerte sie sich so ins Konzert und den Spaß daran, dass es gegen Ende, als dem „Schritte“-Titel „Luftschloss“ noch drei Zugaben vom neuen Album folgten („Bestes Leben“, „In meiner Erinnerung“, „Ein schöner Schluss“), recht sentimental herging, sogar mit schwebenden Kerzen unter der Kuppel.

Der Laufsteg ins Publikum, die Mini-Bühne unter der Kuppel und allerlei Umzüge durch die Menschen bis hin zum Surfen rücklings auf der Menge und einem Kletterabstieg vom Rang heizten nicht bloß die Fans auf. Kloß überschlug sich fast vor Lob über die Frankfurter.

Es war aber auch ein schönes Konzert. Manche halten die beste Zeit für „Silbermond“ ja für verflogen, obwohl „Schritte“ im November schon wieder auf Platz 1 in die Charts einstieg, wie zuletzt 2006 und 2009. Dass „Schritte“ den Dreijahrestakt für „Silbermond“-Alben gesprengt hat und es vielleicht an der Babyzeit mit Gitarrist Thomas Stolle lag, mag sein, aber hey: so ist das Leben. Persönliches Glück wird der Kunst auf lange Sicht meist nützen, nicht schaden.

Los ging es mit „Was Freiheit ist“: ganz Sinnsuche und Bilder vom Freisein wie Vögel im Wind, was sich später zum Schlussbogen spannte, als Kloß erhöht auf der Bühne in rotleuchtende Schwingen stieg und sang. Mit Federn, Federschmuck und Federkleid hat sie es wohl. „Lass mal“ bot trotz leicht resignierter Selbsterkenntnis den schönen, sauberen, schnellen Hardrock, den „Silbermond“ immer pflegte und der einem besser gefallen darf, auch wenn die weichen Balladen mehr Zuspruch finden.

Die Titelnummer „Schritte“ war von vielen, auch den gehenden Füßen des Sohnes auf Video illustriert und eröffnete mit mütterlichen Aus- und Rückblicken einen Erinnerungsreigen, der sich in „B96“ („...hier im Hinterwald“), der Single „Mein Osten“ aus dem vergangenen Jahr und anderen fortsetzte.

Schon seltsam, dass im Osten ein steter Imperativ zu herrschen scheint und manchmal grob eingefordert wird, erstens seine Zugehörigkeit zu beweisen und sich zweitens bitteschön keinesfalls für „was Besseres“ zu halten, nachdem man irgendwo in der Welt dazugelernt hat.

Umso besser, dass „Silbermond“ schon gegen Nazis konzertierte, als die Band noch gar nicht so hieß.

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