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Ben Kim bei der Ehrung.
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Ben Kim bei der Ehrung.

Rheingau Musik Festival

Sich quer zum Fluss der Musik stellen

  • VonTim Gorbauch
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Der Pianist Ben Kim, Träger des Rheingau-Musik-Förderpreises, zeigt im Solokonzert eine radikale und harte Seite.

Seit 2009 wird der Förderpreis des Rheingau Musik Festivals verliehen, dessen ausdrückliches Ziel es ist, so die Verantwortlichen, „besondere Nachwuchstalente auszeichnen, um ihnen den Weg nach oben zu erleichtern“. Das ist in klassischer Musik immens schwierig, denn hier regieren oft seit Jahrzehnten die gleichen Stars, die big names, die die großen Säle füllen. Der Betrieb wirkt wie ein nahezu hermetisch abgeriegeltes Karussell, bespielt von den immergleichen Namen mit dem oft immergleichen Programm.

Ben Kim ist der diesjährige Förderpreisträger, ein mit 34 Jahren nicht mehr ganz junger amerikanischer, in Berlin lebender Pianist, dessen erster großer Mentor der legendäre Leon Fleisher war. Die Jury, von Christoph Eschenbach angeführt, findet strahlende Worte: „Kims brillante Technik und sein unglaubliches Gespür für interpretatorische Feinheiten sind eine Selbstverständlichkeit. Dass er aber seine Inspiration auf hochalpinen Klettertouren findet oder aus dem ganz normalen Leben schöpft, macht ihn zu einer der wohltuendsten Ausnahmeerscheinungen unter den Pianisten seiner Generation. So viel Natürlichkeit, sympathische Ausstrahlung und angenehme Bescheidenheit gepaart mit größter Virtuosität erlebt man nur sehr selten bei einem Spitzenmusiker.“

Auf Schloss Johannisberg, ganz zu Beginn des diesjährigen Rheingau Musik Festivals, findet nun die Preisübergabe statt, eingeführt von einem Solokonzert, das eine spannende, in der Laudatio unerwähnte Qualität Kims dokumentiert: die Lust an einer eigensinnigen, offenen Programmatik.

Etüden von Claude Debussy, Robert Schumann und des ukrainischen Komponisten Nikolai Kapustin sind zu hören, Übungsstücke also, denen zwei zweistimmige Inventionen und zwei dreistimmige Sinfonien Johann Sebastian Bachs voranstehen, die selbst eher Literatur für Anfänger sind.

Das wirkt auf den ersten Blick überraschend spröde, manchmal sogar in sich widersprüchlich. Hier etwa die feine, fast filigrane, gleichzeitig so irrsinnig unspektakuläre Klarheit Bachs, da der überraschend belanglose, mit Jazzanleihen jonglierende und völlig auf Bravour und Applaus gerichtete Ton Kapustins. In der Mitte liegen Debussys Études (Livre 1), wo Kim der Balanceakt zwischen Fingerfertigkeit und Spielwitz, Spektakel und Weitblick gelingt.

Dabei denkt Ben Kim Debussy – bei aller Lust am virtuosen Schauspiel – aus dem Geist der Moderne, mit einer schroffen, abgerissenen Gestik, die oft quer zum Fluss der Musik steht. Wie ohnehin die kompositorische Struktur offener wirkt als bei anderen Pianisten – oder zumindest gefährdeter. So enigmatisch wie heute hört man die Études Nr. 3 („Pour les quartes“), so radikal und hart die Études Nr. 5 („Pour les octaves“) jedenfalls selten.

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