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Dennis Edwards, hier im November 2011.

Dennis Edwards

Es war der 3. September

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„Papa Was a Rollin’ Stone“ ist praktisch sein Lebenswerk: Zum Tod des einstigen Leadsängers der Temptations.

Der 3. September ist ein Datum, das seinen Platz in den Annalen des Pop sicher hat. Und das nicht etwa, weil an diesem Tag einer der Großen geboren worden wäre oder ein Superstar das Zeitliche gesegnet hätte. Nein, dieser 3. September markiert eines der berühmtesten Intros in der Geschichte der populären Musik. Es beginnt mit dem pochenden Basslauf: Ba-Bamm. Ba-ba-ba. Bamm. Dazu zischelt die Hi-Hat des Schlagzeugs. Ein verzerrte Bluesgitarre mischt sich darunter, bevor Orgel und Streicher das aus drei Noten bestehende Motiv aufgreifen.

Nach viereinhalb Minuten, wenn andere Songs längst vorbei sind, erhebt sich, derart dramatisch vorbereitet, endlich die Stimme des Sängers: „It was the third of September. That day I’ll always remember, yes I will.“ Es war der 3. September, der Tag, den ich nie vergessen werde. Die Stimme jenes Mannes, der in dem Stück „Papa Was a Rollin’ Stone“ den Tod seines Vaters beklagt, den er nie kennengelernt hat, gehört Dennis Edwards, dem Leadsänger der Vokalgruppe The Temptations. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist er bereits am vergangenen Donnerstag in Chicago gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Geboren wurde Dennis Edwards in Alabama, tief im Süden der USA, und wie bei so vielen Soulsängern war ihm der musikalische Spirit buchstäblich in die Wiege gelegt. Im Alter von zwei Jahren begann er, Sohn eines Pfarrers, im Kirchenchor zu singen. Als er sieben war, zogen die Eltern mit ihm in den Norden, in die Autostadt Detroit. Wie so viele schwarze Familien wanderten sie aus der Baumwolle in die Industrie ab, dorthin, wo es jetzt Jobs gab.

Den Landarbeitern folgten die Priester und die Musiker. Schon seit 1959 gab es in Detroit die Motown Record Company, und ein Top-Act dieser Firma waren The Temptations, ein fünfköpfiges Gesangsensemble, das neben den ebenfalls bei Motown beheimateten The Four Tops zu den führenden Interpreten des Soul und Rhythm’n’Blues zählte. Als David Ruffin, der bisherige Leadsänger der Temptations 1968 gefeuert wurde, stieß Edwards zu der Truppe.

Sein härteres Timbre passte zu den härteren Songs, mit denen die Gruppe jetzt ihr Profil in Richtung Funk schärfte. In „Papa Was a Rollin’ Stone“ von 1972 befragt ein Junge seine Mutter nach der Geschichte des fremden Vaters. Er erfährt, dass dieser alkoholsüchtig war, auf der Straße lebte und noch drei Kinder mit einer anderen Frau hatte. Für Dennis Edwards, der die Temptations schon 1977 wieder verließ – und später zu Comebacks immer mal wieder zurückkehrte –, blieb der Song, eine Art Lebenswerk. Vierzig Jahre lang hat er ihn als Solist gesungen.

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