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Selbstakzeptanz und Versöhnung: Caspers „Blumen-Album“

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Casper
Casper: „Ich brauch' Beschleunigung!“ © Christoph Soeder/dpa

Casper gilt als Deutschrap-Revolutionär. Der aus Ostwestfalen stammende Musiker ist bekannt dafür, auf mentale Probleme und schwierige Zeiten einzugehen.

Bielefeld/Berlin - Lange hat Casper seinen Platz in der Musikszene gesucht. Manchen Rappern war er zu sehr Rock, manchen Rockern zu sehr Rap.

Doch irgendwann kam für ihn der entscheidende Moment: „Ich mach' jetzt einfach eine Platte für Leute, die Casper gut finden, und lös' mich mal davon, immer jedem gefallen zu wollen“, sagt der 39-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

„Alles war schön und nichts tat weh“ - oder auch das „Blumen-Album“, wie Casper es selbst nennt - ist eine Mischung aus Reflexion, Versöhnung und Selbstakzeptanz. Im Musikvideo zum Titelsong liegt der Rapper in einem Blumenfeld auf einer kleinen Insel, um ihn herum nichts als Meer. Er beschreibt die Blumeninsel als eine Metapher für seinen eigenen kleinen „Safe Space“, also einen sicheren Ort. „Manchmal droht ein Taifun alles zu vereinnahmen, das muss man dann irgendwie durchstehen.“

Casper heißt mit bürgerlichem Namen Benjamin Griffey. Der Musiker ist als Sohn einer Deutschen und eines US-Soldaten in Ostwestfalen geboren. Nachdem er seine frühe Kindheit größtenteils im US-Bundesstaat Georgia verbracht hatte, ging er mit Mutter und Schwester zurück - sie lebten in Extertal. Für sein Studium zog Casper nach Bielefeld, die Musik brachte ihn später nach Berlin.

„Immer schneller, immer größer, immer enger“

Spätestens mit seinem „Hin zur Sonne“-Album (2008) ging der Hype los, danach folgte Caspers großer Durchbruch mit „XOXO“ (2011). „Alles wurde immer schneller, immer größer, immer enger“, sagt Casper. „Es gab nie die Zeit, all das auch mal zu verarbeiten.“ Hinzu kamen Eingriffe in seine Privatsphäre - er erzählt von Stalking-Fällen und Fans, die tagelang vor seiner Wohnung saßen.

Die Pandemie brachte Ruhe in das Leben des Rappers. „Ich war zum ersten Mal einfach nur Musiker“, sagt er. Casper hatte Zeit, nur an Texten und Musik zu arbeiten. Er habe sich viel mehr mit sich selbst beschäftigt: „Was passiert eigentlich bei mir, in meinem Freundeskreis, in meiner Familie?“

Auf „Billie Jo“ erzählt Casper die tragische Familiengeschichte seiner Cousine. Gleichzeitig ist der Track ein Anti-Kriegs-Song, der auch die amerikanische Opioid-Krise aufgreift. Casper lebt teilweise in Amerika und hat, neben seinem Vater, Familienmitglieder in der US-Armee. „Ich glaube, es werden auf der Welt viele Kriege oder Konflikte angefangen und nicht gut nachbearbeitet“, sagt der Musiker.

Der siebenminütige Song „Fabian“ handelt von einem Freund und dessen Krankheitsdiagnose. „Sowas rückt einem natürlich noch viel mehr in den Fokus, wie zerbrechlich man selbst und das Leben an sich ist.“ Das gemeinsame Durchstehen habe diesen alten, treuen, loyalen Freundeskreis noch mehr zusammengeschweißt.

Dunkle Phasen zulassen

Casper ist bekannt dafür, schwere Zeiten und dunkle Gedanken in seiner Musik zu thematisieren. „Früher habe ich mich immer ganz doll dagegen gewehrt, das hat die negativen Gefühle im Endeffekt nur multipliziert“, sagt der Rapper. Er wirkt auf der neuen Platte befreiter, als sei er mit sich im Reinen: „Ich muss nicht gegen dunkle Phasen ankämpfen, ich habe sie als Teil von mir akzeptiert und kann seitdem besser atmen.“

Casper hat auch gelernt, eigene Gefühle besser in seinem Umfeld zu kommunizieren. Im Song „TNT“, zusammen mit Rapper Tua, heißt es: „Kannst du das Tuch spannen, denn ich glaube ich falle, falle, falle“ - das klingt nach einem Signal, sich in Krisenzeiten Hilfe zu holen und mit nahe stehenden Menschen zu sprechen.

Der Musiker konnte in der Corona-Entschleunigung viele Dinge verarbeiten. Doch irgendwann kam auch bei ihm der Punkt: „Ich brauch' Beschleunigung!“ Die Sehnsucht nach Konzerten und Nachtleben beschreibt er auf dem Track „Gib mir Gefahr“ mit dem Rapper Kummer. Er sei viel „lampenfiebriger“ als früher, je näher die Live-Auftritte rücken. „Es wird sich wieder so anfühlen wie das allererste Konzert, glaub' ich.“ dpa

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