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Selbst gemacht

Es ist für das Publikum immer eine schöne Vorstellung, wenn jemand sein letztes Hemd für die Kunst hergibt. Bei der britischen Singer-Songwriterin Imogen

Von ELKE BUHR

Es ist für das Publikum immer eine schöne Vorstellung, wenn jemand sein letztes Hemd für die Kunst hergibt. Bei der britischen Singer-Songwriterin Imogen Heap war es allerdings nicht das Hemd, sondern das Dach über dem Kopf. Um ihr zweites Solo-Album Speak for yourself zu finanzieren, verpfändete sie ihre Londoner Wohnung. Von den Plattenfirmen hatte sie nämlich genug: Dass dieses Mädchen mit der Expressivität einer Kate Bush oder Tori Amos in der Stimme seit ihrem elften Lebensjahr Songs schreibt, zahlreiche Instrumente beherrscht und ein großes Talent ist, war zwar allen klar, als sie 1998 ihr Debüt-Album veröffentlichte - doch der Major Universal warf sie danach trotzdem hinaus, ihm fehlte das kommerzielle Potenzial.

Heap entschloss sich, keine Angebote von Plattenfirmen mehr anzunehmen. Sie verkroch sich ein Jahr lang im selbst finanzierten Studio - und toppte mit dem, was sie dann auf eigenem Label und zunächst online veröffentlichte, gleich verschiedene Download-Charts und wurde auf Myspace häufiger angeklickt als Coldplay. Danach unterzeichnete sie doch einen Vertrag mit Sony/BMG, allerdings nur für den Vertrieb und zu ihren eigenen Bedingungen.

Jetzt kommt Speak for yourself auch in Deutschland als CD in die Läden, fast zwei Jahre nach der ersten Veröffentlichung, doch besser spät als nie. Heap instrumentiert ihre versponnenen Songs manchmal so üppig und eigenwillig, als wolle sie tatsächlich mit Kate Bush in ihren besten Zeiten mithalten, dann wieder singt sie ein A-Cappella-Duett mit einer Vocoder-Stimme. Und auch wenn ihre Lyrics meist nachdenkliche Miniaturen über komplizierte Beziehungen sind, in denen die Liebe gerade durch die Hintertür abhaut, klingen manche Songs überraschend fröhlich. Imogen Heap hat mitreißende Soundtracks für eine komplexe, urbane Welt gebastelt. Und ihre Hypothek hoffentlich inzwischen wieder abbezahlt.

Imogen Heap: Speak for yourself.Megaphone / Sony-BMG.Tournee: 27. Januar Berlin, 29. Januar Köln. www.imogenheap.co.uk

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