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Juan Diego Flórez mit der NDR Radiophilharmonie.

Juan Diego Flórez

Seine Stimme, die ruft

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Fabelhaft homogen und biegsam: Tenor Juan Diego Flórez in Frankfurts Alter Oper.

Klassisches aus dem deutschen, italienischen und französischen Opernfach bot der Auftritt von Juan Diego Flórez bei Pro Arte im Großen Saal der Alten Oper. Ein Tenor von stimmlichen Gnaden, was Homogenität und Biegsamkeit anbelangt, trifft auf seine Liebhaber, die bereits nach Mozarts „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ aus dem Häuschen sind. Die Arie ist ja auch zu verlockend, als Beschreibung des Sängers selber verstanden zu werden, der zweifellos einer der attraktivsten Musiker der Gegenwart ist.

Etwas zu stark pocht Flórez bei der Arie Taminos noch auf einen Liebhaberstatus, der der unschuldigen Adoration des jungen Prinzen in der „Zauberflöte“ nicht entspricht. Aber bei zwei zentralen Arien aus Glucks „Orpheus und Euridike“ ist dann die sensible Artikulationskraft des in reinster Linie druckfrei und ohne Ausbuchtungen des Vokalkörpers singenden Künstlers evident. Dass Christoph Willibald Gluck auf der Grenze des italienischen und deutschen Stils agiert, kommt unmittelbar zur Geltung. Die kleine vokale Geste des um Euridike trauernden Orpheus – „...meine Stimme, die dich ruft“ – trifft einen unvermittelt in ihrer einfachen Reinheit. Solche Momente leichtester Klangbewegung auf kleinstem Raum gibt es einige Male, aber natürlich auch die ausgestellten Momente, wo das tenorale Metall lange gleißend in die Höhe gehalten wird: Schlüsselreiz, der dem Publkum die Kehle und die immer klatschbereiten Hände sofort löst.

Exzellent und regelrecht Heimspiele sind zwei Massenet-Arien (aus „Manon“ und „Werther“), für die Flórez zum Synonym geworden ist. Hier war die blendende NDR Philharmonie aus Hannover unter Leitung des Mozarteum-Chefdirigenten Riccardo Minasi ein besonders subtiler Begleiter. Das Orchester und sein Dirigent hatten schon bei der konzert-eröffnenden „Titus“-Ouvertüre Mozarts deutlich gemacht, dass man nicht gedenke, bloß der akustische Sockel des singenden Heldendenkmals zu sein. Oft wurde sehr heftig, lautstark und scharf durchartikuliert musiziert, was sowohl für belangloses Donizetti-Tschingderassabum als auch für eine aufgemöbelte „Don Giovanni“-Ouvertüre und Verdis ungewöhnliche „Alzira“-Ouvertüre galt.

Überragend Flórez in „Questo o quella“ und „Parmi veder“ aus „Rigoletto“ und zuletzt „Lunge da lei“ und „O mio rimorso“ aus „La Traviata“: Giuseppe Verdi belcantistisch gelöst und versinnlicht zugleich. Zugaben, teils auf der Gitarre selbst begleitet, reichten von Willy Mattes’ „Deine Liebe ist mein ganzes Leben“ über „Cucurrucucu Paloma“ bis „Granada“, was das Publikum vollends entfesselte.

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