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Sehr gute Positionen

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Christian Tetzlaff, am 29. April fünfzig Jahre alt geworden, feiert zum zweiten Mal in der Alten Oper Frankfurt.
Christian Tetzlaff, am 29. April fünfzig Jahre alt geworden, feiert zum zweiten Mal in der Alten Oper Frankfurt. © Tibor Pluto/AOF

Geiger Christian Tetzlaff mit der famosen Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in der Alten Oper Frankfurt.

Von Bernhard Uske

Zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Konzert „Christian Tetzlaff zum 50. Geburtstag“ in der Alten Oper Frankfurt. Tatsächlich sind viele tonangebende Geiger deutscher Herkunft Mitte der 60er Jahre geboren. Anne-Sophie Mutter 1963, Frank Peter Zimmermann 1965, Antje Weithaas und Isabelle van Keulen wie Tetzlaff Jahrgang 1966. Nur dass keiner von ihnen offenbar solchen Geschmack am Halbjahrhundertkult findet.

Der brachte das Geburtstagskind jetzt wieder, wie schon am 8. Mai, mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in die Alte Oper. Diesmal dirigierte allerdings nicht Chefdirigent Paavo Järvi, die Leitung übernahm stattdessen Konzertmeisterin Sarah Christian. Tetzlaff stand bei seinen Auftritten als Solist (in Mozarts G-Dur- und Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Konzert) mitten im Orchester, während er bei Arnold Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“ in der Fassung für Streichorchester von 1917/43 seinerseits am ersten Pult Platz nahm.

Eine sehr gute Position, denn von dort aus wurde ein höchst artikuliertes Profil dieses noch in der „Tristan“-Atmosphäre beheimateten, aber einen schon viel ausgreifenderen Gestus entwickelnden Werks gezeigt. Die Gefahr eingetrübter Oberflächenwahrnehmung, wenn ein Orchester Kammermusik aufführt, war gebannt. Hier blieb trotz orchestraler Fülle die Klangkostümierung leicht, ja bisweilen regelrecht luftig, unglaublich feines Gewebe enthaltend und trotzdem von je nach Bedarf störrischer, steifleinerner Kontur samt hart gefalteten Kanten. Die Bremer Musiker waren großartig in ihrer Homogenität mit Schlagkraft und dichter Klangmasse oder radikaler Klangzerstäubung.

Bei Mozarts Violinkonzert war Tetzlaff in den lyrischen, legatohaften Partien überragend. Ein bisschen sprunghaft, huschend bis los sprintend in den schnellen Läufen. Bei Felix Mendelssohn Bartholdy dagegen waren die Gewichte perfekt balanciert und dominierte ein fester, ja hitziger Zugriff. Das stark gefälligkeitsbeanspruchte Werk neigte hier ganz deutlich zu Brahms und zu einer heftigen, ernsthaften, ja bissigen Attitüde.

Mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 80 in d-Moll führten die Bremer, hierbei gänzlich sich selbst überlassen, unter der inspirierenden Leitung ihrer Konzertmeisterin einen nachdrücklichen Nachweis ihre Könnens. Vom schwebenden Trio im Menuetto bis zu dem regelrecht groovenden Synkopen-Feuerwerk des Finales.

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