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Bobby Womack im Jahr 2009.
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Bobby Womack im Jahr 2009.

Bobby Womack

Der die Seele eines Songs fand

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Er war eine Legende des Souls, der auch andere Genres prägte: Bobby Womack war eine der großen Gestalten der amerikanischen Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei hat er andere berühmter gemacht als sich selbst. Jetzt ist der Tausendsassa mit 70 gestorben.

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Schon so lange war der Soulsänger, Songschreiber, feine Gitarrist Bobby Womack sterbenskrank, litt an Krebs wie Diabetes, dass sein Tod am vergangenen Freitag im Alter von 70 Jahren dann doch unerwartet kam. Womack schien das ewige Stehaufmännchen, einer, der das Leben – mit erheblicher Rücksichtslosigkeit gegen sich und andere – immer mit beiden Händen packte. Bereits in den späten 60ern hatte eine Jahrzehnte dauernde Drogenabhängigkeit begonnen, 1976 war er von seiner damaligen Frau niedergeschossen worden, weil er sie mit der Stieftochter betrog. Vielleicht ist es ja gerade dieses exzessiv und bis zur Neige gelebte Leben, das man in seiner so wandelbaren, nuancierten Stimme hört.

Zum Orkan anschwellen

Sie ist vor allem eine kraftvoll angeraute, sie kann gurgelnd, brausend anschwellen wie ein Orkan, aber auch unerwartet zart sein. Großartig etwa Womacks Cover von Neil Diamonds „Sweet Caroline“, das sanft, man möchte fast sagen trügerisch sanft beginnt und dann zu einer Intensität findet, wie sie dem Original nicht gegeben ist. Auch an Bob Dylans „All Along the Watchtower“ lassen sich in Womacks Version ganz neue Seiten entdecken. Als Interpret wusste er die Seele eines Songs zu finden.

Umgekehrt wurde auch der ein oder andere Schuh draus. So machten die Rolling Stones Womacks „It’s All Over Now“ zum Hit (den er mit Shirley Womack schrieb, was meist unterschlagen wird). „Der Mann, der dich zum Weinen bringen konnte, wenn er sang“, nannte ihn denn auch Stones-Gitarrist Ron Wood in einer ersten Reaktion.

Womack war 1944 in Cleveland im Bundesstaat Ohio in eine Musikerfamilie geboren worden. Mit seinen Geschwistern gründete er unter Leitung ihres Vaters die Gospel-Gruppe Womack Brothers. Ihre Karriere bekam einen Schub, als sie 1962 unter dem Namen The Valentinos von Sam Cooke von dessen Label Sar Records unter Vertrag genommen wurden und wenig später ihren Hit „Lookin’ for a Love“ rausbrachten. Nach dem Tod von Cooke 1964 lösten sich die Valentinos auf und Bobby Womack begann eine Solokarriere.

Trotzdem schrieb er einige seiner größten Songs für andere, für Stars wie Wilson Picket, Aretha Franklin, Joe Tex und Dusty Springfield, und war als Musiker an den berühmten Alben anderer beteiligt, an „Dusty in Memphis“ etwa und an Elvis Presleys „Suspicious Minds“. Er selbst verschwand, nach einigen größeren Hits wie „That’s the Way I Feel About Cha“ und „Woman’s Gotta Have It“ in den frühen 70er Jahren, weitgehend aus der Öffentlichkeit. So dass sein 2012er Album „The Bravest Man in the Universe“ verdienterweise zu einem gloriosen und vielgelobten Comeback wurde – es war seine erste Platte seit mehr als einem Jahrzehnt und er selbst hielt sie für seine beste.

Als Bobby Womack 2013 beim Glastonbury-Festival an seine frühe Gospel-Zeit erinnerte wie auch Neues sang, war seine Stimme schon mehr als nur aufregend rau, bröckelte und brach sie in manchen Momenten. Und war dennoch faszinierend intensiv. In diesem Jahr, im Juli, wollte der Musiker eigentlich noch auf Tour in die Niederlande und nach Frankreich, Belgien und Großbritannien gehen. „Unaufhaltsam“ nannte ihn ein Kritiker; jetzt hat eines seiner vielen Leiden selbst ihn aufgehalten. (mit dpa)

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