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Seeed im Mainzer Volkspark: Den Speck schütteln

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Von: Volker Schmidt

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Pierre Baigorry/ Peter Fox im Juli in Karlsruhe.
Pierre Baigorry/ Peter Fox im Juli in Karlsruhe. © dpa

Die perfekte Musik für die Hitzewelle: Seeed im Mainzer Volkspark

Der Rasen wüstentrocken, die Luft noch am Abend flimmerig vor Hitze, der Mainzer Volkspark rappelvoll ausverkauft: So muss „Summer in the City“. DJ Prince M.I.K. heizt noch ein bisschen nach, die Tanztruppe M.I.K. Family hilft mit akrobatischen Moves. Dann reiten die „Dancehall Caballeros“ ein, und aus dem Park wird Jamainzka: S, drei E, D – Seeed!

Als deutsche Antwort auf jamaikanische Sound-Systems hat die Band vor gut 20 Jahren mal angefangen, mit meist relaxten reggaehaften Riddims, saftigen Bläsersätze und Sprechgesang (Toasting) manchmal auf Englisch, inzwischen meist auf Deutsch. Seltsame Idee für gut zwei Hände voll Musiker aus Berlin, sollte man meinen. Ging aber auf: Seeed verkauft seit Jahren Alben und Konzerttickets wie geschnitten Stulle.

Und spielt die perfekte Musik für die Hitzewelle. Draußen vorm Zaun liegen Hunderte auf Decken, manche von Lichterketten umrandet, und lassen sich das mitgebrachte Bier schmecken. Drinnen muss man dafür lange anstehen und ordentlich latzen.

Dafür sieht man da auch was von der Bühne. Zum Dancehall gehört der Dance; die Sänger Pierre Baigorry und Frank A. Dellé sind pausenlos in Bewegung, gern synchron. Gelegentlich kommt einer von den Background-Sängern nach vorn, nimmt den Platz des dritten Frontmanns Demba „Boundzound“ Nabé ein, der 2018 starb. Atempausen gönnt die Combo sich und dem Publikum nur selten, meist gehen Songs nahtlos ineinander über.

Textsicheres Publikum

Gute Laune schwappt von der Bühne mit den beiden hohen LED-Wänden ins Publikum, Hände gehen auf Kommando hoch, der Volkspark ist in Bewegung. Textsicher auch bei Songs vom jüngsten Album „Bam Bam“ von 2019 wie dem Konzert-Opener „Ticket“, „Lass sie gehen“ oder „G€LD“. So richtig entfesselt bei älteren Krachern wie „Augenbling“, „Schwinger“, „Music Monks“ oder dem fast schon Hardrock-mäßigen „Molotov“.

„You and I“ widmen Baigorry und Dellé dem verstorbenen Weggefährten Nabé, ein kurzer Moment der Wehmut im Sommersonnenspaß, dann tobt der Riddim weiter. Kurze Ruhepause auch am Anfang von „Hale Bopp“, den Baigorry allein zum Synklavier singt, bevor „die ganze Fatness“ (Dellé) wieder einstimmt.

Die Show ist schnörkellos, Lichter blinken, auf den LED-Schirmen verfremden Filter die Bilder von der Bühne, gut ist. Der Sound ist satt, vielleicht ein bisschen hart für die melloweren unter den Seeed-Songs. Alles in allem eine dichte Packung Musikkonzentrat, ohne Längen.

„Von Schwarz zu Blau“ und „Schüttel Deinen Speck“ stammen von dem überaus erfolgreichen Solo-Album „Stadtaffe“, das Baigorry unter dem Namen Peter Fox herausgebracht hat. Gegen Ende zieht die Energie noch einmal an, „Hübsches Ding“ im mehrteiligen Remix markiert das Set-Ende.

Den Zugaben-Teil bilden „Immer bei Dir“, Seeeds Berliner Heimat-Hymne „Dickes B“ und „Aufstehn!“ Ziemlich pünktlich um 22 Uhr ist Schluss: die Anwohner, die Emmissionsschutzverordnung und so – wir sind in Rheinland-Pfalz, nicht in Jamaika.

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