Larkin Poe

Schwestern und Brüder

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Larkin Poe und Foreign Affairs hinreißend im Frankfurter Zoom.

Weiß der Geier, was eine Band aus den US-Südstaaten und ein Duo aus dem britischen Bristol gemeinsam kreuz und quer durch Europa touren lässt. Aber wer den Zauber ausverkaufter Clubkonzerte abseits der großen Hallen schätzt, der fragt gar nicht erst den Geier, der geht ins Frankfurter Zoom und hat einen fantastischen Abend.

Da breiten sich zunächst die Foreign Affairs am Bühnenrand aus, Adam und Lawrence Purnell, beide mit Gitarren, jeweils einem Stück Schlagzeug und grundsympathischer Zurückhaltung. Adam, der große Bruder, tritt die Bass Drum und zupft die Leadgitarre, gern mit Bottleneck. Lawrence, der kleine Bruder, klopft auf Becken und Trommeln, wenn er nicht gerade die Rhythmusgitarre spielt – vor allem aber singt er mit einer Bandbreite durch die Oktaven, dass das Publikum erst staunt und dann mitgeht, wie man es für eine Vorgruppe nicht alle Tage erlebt. Daheim wird Lawrence Purnell stimmlich als Mischung aus Johnny Cash und Clash-Sänger Joe Strummer gehandelt. Sauber verglichen.

Und damit zu etwas gar nicht so vollkommen anderem, denn was die Briten schon andeuteten, bluesige Rockmusik auf amerikanische Art, treiben die Damen und Herren aus Nashville, Tennessee im zweiten Teil des Abends auf die Spitze. „Wir im Süden sind voller Yeehaws und Whew whew whews!“, gibt Larkin-Poe-Sängerin Rebecca Lovell frühzeitig genug bekannt, um Serien von „Yeehaws!“ und „Whew whew whews!“ im Zoom auszulösen.

Prima Parallele, dass nach den beiden britischen Brüdern nun zwei amerikanische Schwestern auf der Bühne stehen, „Baby Sister“ Rebecca (28) und „Big Sister“ Megan (29), letztere mit Slide-Gitarre vor den Bauch geschnallt. Unerhört, was sie aus dem sperrig wirkenden Gerät herausholt, mal teamdienlich, mal direkt ins Gesicht, musikalisch zwischen Urenkelin der Familie Allman und Großnichte von David Gilmour. Begleitet von zwei unerschütterlichen Kollegen an Schlagzeug und Bass nehmen die Schwestern den Laden komplett auseinander, beginnen ihre Songs im schwülschweren Sumpf, rasen mit dem Propellerboot durchs Schilf, reiten peitschenschwingend davon, Yeehaw! Und über allem: Rebeccas zuweilen glockenheller, meist herrlich röhriger Leadgesang. Sie lobt zwischendurch im breiten Slang die Band-T-Shirts des Publikums: „Y’all cool!“ Während Schwester Megan ein Brüllender-Tiger-Shirt trägt. Die Leute sind nicht mehr zu halten.

Die Ladys streuen Traditionelles aus dem Süden ein, darunter „Black Betty“ in der Urversion von irgendwann in den 1930ern. Es handelt sich natürlich nicht um Nachfahrinnen der Allmans oder Gilmours, sondern um Ur-urenkelinnen eines gewissen Larkin Poe, daher der Name. Ja, ein Cousin von Edgar Allan. Später, am Tisch mit den Shirts und CDs, kann man direkt vom Künstler erfahren, wie er es schafft, dass seine Gitarre zugleich nach Gitarre und Bass klingt. Er verwende ein POG-Pedal, erläutert Adam Purnell. Wieder was gelernt.

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