Sendesaal

Schostakowitschs 14. im hr-Sinfoniekonzert: Der Tod, er geht ein und geht aus

  • Judith von Sternburg
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Schostakowitschs 14. Sinfonie im Sendesaal.

Musik, Dichtung und Tod sind besonders eng verschlungen in Dmitri Schostakowitschs 14. Sinfonie (1969), vielleicht wie zum Auftakt die „einhundert heiß Verliebten“, die „schlafen für immer, schlafen unter der trocknen Erde“ in Federico García Lorcas „De Profundis“. Der aktuelle Zwang zur Übersichtlichkeit bringt auch seltener gespielte Werke ins Programm, hier beim hr-Sinfoniekonzert im Sendesaal am Dornbusch. Schostakowitschs vorletzte Sinfonie eignet sich sehr, geschrieben für Streichorchester und Percussionsinstrumente, einen Sopran und einen Bass.

Ähnlich Mahlers „Lied von der Erde“ ist die 14. ein Liederzyklus, gemeinsam ist den Werken auch die Genialität bei der Textfindung, hier nun Gedichte und ein Brief von García Lorca, Apollinaire, dem russischen Puschkin-Zeitgenossen Wilhelm Küchelbecker und Rilke. „Loreleja“ hat von Clemens Brentano aus den Umweg über Apollinaire genommen, um nun auf Russisch gesungen und im Programmheft wieder auf Deutsch mitgelesen zu werden. Trotzdem wirkte es zwingend, dass die finnischen Gäste, Miina-Liisa Värelä und Mika Kares, auf Russisch sangen. Kares bot einen profunden Kirchenbass mit immensem Volumen, Värelä einen flexiblen, zum Hochdramatischen fähigen Sopran. In der „Loreley“ kam es zu einem höchst lebhaften Dialog. Wie überhaupt der Tod sich in seiner Fahlheit zeigte, aber auch nervös – in „Malagueña“ zum Beispiel, einem veritablen Totentanz mit dreinfahrendem Kastagnetteneinsatz. „Der Tod, er geht ein und geht aus, er geht aus und geht ein, der Tod in der Taberne“. Värelä und Kares griffen das nuancenreich auf, sie zuständig für das feinziselierte Drama, er für die weiten Flächen.

Auch der Dirigent des knapp einstündigen (dafür an zwei Abenden insgesamt vier Mal gespielten) Programms, Klaus Mäkelä, ist Finne. Mit dem Orchester arbeitete er sich zu einer scharfgeschnittenen Genauigkeit vor, der die überfeinerte Akustik im Saal gerade recht kam. Man wagte kaum noch, das Programmheft umzublättern. Zu Recht.

Im Radio: heute, 2. Oktober, sowie am 13. Oktober, jeweils 20.04 Uhr auf hr2-Kultur. Livestream: hr2-Kultur.de.

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