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Igor Levit im Rheingau.
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Igor Levit im Rheingau.

Igor Levit

Der Schostakowitsch-Marathon

  • VonStefan Schickhaus
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Der Pianist Igor Levit beginnt seine Residentschaft beim Rheingau Musik Festival mit einem Drei-Stunden-Konzert.

Am Ende des Konzerts auf Schloss Johannisberg im Rheingau hatte Igor Levit einen Vollbart. Sicher, den hatte der Pianist davor auch schon, aber im Verlauf der dreieinhalb Stunden ist er sicher etwas dichter geworden. Und auch sonst ist viel passiert, so ein Klavier-Marathon geht an niemandem spurlos vorbei. Als Igor Levit die 24. Fuge der 24 Präludien und Fugen op. 87 von Dmitri Schostakowitsch beendete, war es eine halbe Stunde vor Mitternacht und so gut wie alle Zuhörer waren noch mit im Saal, was auch nicht selbstverständlich ist. Und nach dieser Fuge standen sie, alle. Sie applaudierten so einer monströsen Leistung eines fundamentalen Pianisten.

Igor Levit ist ja gerne auf der Marathondistanz zuhause. Auch ein András Schiff spielt schon mal alle Englischen Suiten am Stück und das Wohltemperierte Klavier, das Vorbild war für Schostakowitschs Präludien-und-Fugen-Doppeldutzend, gibt es ebenfalls regelmäßig an entsprechend ausgedehnten Abenden zu hören. Aber Schostakowitschs Opus 87 ist da noch eine Nummer härter, und Igor Levit sucht genau solche Härtefälle. 180 Minuten reine Spielzeit – „Ich freue mich unglaublich auf diese drei Stunden“, sagte der charismatische Tastenforderer zur Begrüßung, noch mit kürzerem Bart, noch mit Sakko (das wird er dann nach der a-Moll-Fuge ablegen), noch frisch. Das Publikum und ihn würden nun 23 Ich-Werke erwarten und als Nummer 24 ein Wir-Werk. Alleine um das aufgelöst zu bekommen, musste man ja bleiben.

Was in den folgenden Stunden geschah: Selbst so hakelige Fugen wie die in G-Dur bersten bei Levit vor Energie. Da kniet er sich rein, da sieht er sich als Überwinder. D-Dur, Präludium: Witzige Spieldosenmusik, zum Durchatmen. Präludium A-Dur (wir sind erst bei Nummer 7): Ein Handy klingelt. So glöckchenhell wie das Präludium. Levit hebt die Hände zu einem „das kann schon mal passieren“. Die gis-Moll-Stücke sind bärbeißig, da wächst der Bart besonders. Herrlich die steife Zirkushaftigkeit in Des-Dur (Nr. 15, immerhin schon). Schwer vermittelbar, die Fuge in b-Moll, Igor Levit kämpft mit ihr und für uns. Wenn eine Heidi Klum sagt, ihr seien alle ihre GNTM-Mädels wichtig, ist das nassforsch gelogen – wenn Igor Levit das über diese zwei Mal 24 Schostakowitsch-Stücke sagt, darf man ihm das ruhig glauben.

Präludium g-Moll, weit hinten, Nr. 22: Enorm flüssig, und das in F-Dur ein wunderschönes Stück – dieser Satz steht hier nur, um zu signalisieren, der Rezensent war selbstredend noch hellwach. Dann das Finale, Nummer 24 – so groß und umarmend, dass ein einzelnes Ich nicht mehr ausreicht (ob das damit gemeint war?).

Sechs Mal ist Igor Levit, der Pianist, der es nicht leicht nimmt, in diesem Sommer im Rheingau zu hören, kein Artist in residence des Rheingau Musik Festivals nahm seinen Status dort derart ernst. Alle Abende sind bereits ausverkauft.

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