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Bockenheimer Depot

Schöpfer fahlen Lichts

  • VonBernhard Uske
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Die 100. Ausgabe der Reihe Happy New Ears widmet sich dem Komponisten Saed Haddad.

Mit Etikettenschwindel begann 1993 eine Werkstattkonzertreihe des Ensemble Modern in der Frankfurter Oper, die ein Bonmot des ein Jahr zuvor verstorbenen John Cage zu ihrem Motto machte: Happy New Ears. Bei Cage war damit die Abstandnahme von allen konzeptionellen, ordnungsstiftenden Momenten werk- und ausdrucksästhetischer Fixierung gemeint. Während es der Werkstatt mit Komponistenbefragung, Moderatoren-Diskurs und zu erklärenden Werken gerade um deren Vertrautmachung und Versprachlichung ging.

Sei’s drum: ein verankerungsträchtiger Slogan war geboren und fortschrittstüchtige Klang-Innovation statt Zufalls- und Alltagserfahrung die Programmatik der 100 Veranstaltungen in 25 Jahren. Mittlerweile haften die glücklichen neuen Ohren an graumelierten und weißhaarigen Köpfen, denn mit dem Altern der Neuen Musik hielt das seiner treuen Rezipienten Schritt. Oft hat man den Eindruck einer „Universität des dritten Lebensalters“ anzugehören: einer verschworenen „U3L“ der Neuen Musik, oder besser: einer Sonntagsschule, denn Kontroversen, gar Publikumsbeteiligung gibt es bei aller proklamierten Offenheit dann doch nicht.

Beim Jubiläumskonzert im Bockenheimer Depot waren die beteiligten Institutionen, für die Christian Hommel (Ensemble Modern), Zsolt Horpácsy (Oper Frankfurt) und Moderator Stefan Fricke (Hessischer Rundfunk) sprachen, des Lobes voll ob dieser als singulär eingeschätzten Einrichtung – die es mittlerweile in diversen Formaten vor und teilweise auch nach fast jeder Opernaufführung, jedem Sinfonie- und Neue-Musik-Konzert zumindest in Deutschland gibt.

Der in Jordanien geborene Saed Haddad, dessen „A Wintery Spring“ gerade im Bockenheimer Depot zusammen mit Jan Dismas Zelenkas „Il serpente di Bronzo“ als Produktion der Oper Frankfurt gegeben wird, war der Gast des gut besuchten Abends. Ein von Fricke zu Recht als skrupulös charakterisierter Künstler, der alle Deutungsofferten seines Gesprächspartners, die auf politische Tendenz und trendgerechte Betroffenheit zielten (Lichtsmog, Kapitalismuskritik), abwies. Mit dem Charme der Ernsthaftigkeit beharrte er auf seinem Metier sinnlicher Melodiosität. Ein Atmosphären-Architekt melismatischer Verwebungen, der viel „wegschmeißt“, der keine philosophische Übersetzung sucht und das „fahle Licht“ schöpft.

Gesungen hat in „Stabat Mater“ (2015) sehr schön Johanna Greulich, gespielt hat, von Franck Ollu souverän wie immer geleitet, das aufgeräumte Ensemble Modern auch in „Mirage, Mémoire, Mystère“ (2011/12) und „L’Étique de la lumière“ (2004).

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