Musik

In schönster Hauptströmung

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Anne-Sophie Mutter mit Violinkonzerten von Mozart in der Alten Oper Frankfurt

Vor gut vierzig Jahren kam die berühmte Schallplatte heraus: Herbert von Karajan, der ihr Großvater hätte sein können, mit der gerade 15 Jahre alten Geigerin, dem Wunderkind aus dem badischen Wehr. Der Dirigent als Entdecker, als Türöffner, als Treibsatz eines Talents, das mit Violinkonzerten eines 200 Jahre früher von seinem Vater geforderten, geführten und getriezten komponierenden Wunderkinds die Bühnen des internationalen Musikbetriebs betrat.

Die hat Anne-Sophie Mutter seither nicht mehr verlassen und machte dabei jetzt bei Pro Arte in der Alten Oper Station. Mit einem aus Mitgliedern der Berliner und Wiener Philharmoniker zusammengesetzten, 17-köpfigen Orchester und eben den Werken, mit denen einst die Karrierre der mittlerweile 55-Jährigen begann. Zu den damals bei der Deutschen Grammophon veröffentlichten Mozart-Violinkonzerten Numero 3 und 5 kam jetzt noch dasjenige mit der Ordnungszahl 2.

Verblüffend, wie wenig Abweichung zwischen den Darbietungen von 1977 und heute zu registrieren war. Nahezu identische Tempi, ein ähnlicher Gestus im Spiel, der sich allerdings in den langsamen Sätzen bei ausgeschaltetem Verdünnungsschutz entwickelte und immer stärker das Larmoyante und Blässliche streifte. Stilisierte Serenaden-Innerlichkeit war das nicht, sondern ein von aller Griffigkeit und plastischer Kontur befreites Schaumgebilde. Nur im langsamen Satz des 5. Konzerts, das so viele Assoziationen an den gehobenen Leonoren-Ton Ludwig van Beethovens ermöglicht, waren Profil, Artikulationsdichte und Ausdrucksintensität zu spüren.

Was gänzlich zu kurz kam, war die Präsenz des Orchesters, das in der Mitte der Bühne des Großen Saals zusammengeschart in der Hallen-Akustik für eine manifestere Physiognomie keine Chance hatte. Höchste Präzision, nach einigen Einschwingsungsproblemen ganz am Anfang, ein Spiel wie auf gespanntem Drahtseil, gleichwohl weich und schwebend – man konnte es vermuten. Am ehesten gelang Nachdrücklichkeit noch mit dem rein orchestralen Beitrag des Abends, der Sinfonie Nr.1, die Mozart als neunjähriger Junge komponierte. Ein heute, nach den stoischen, schematischen und konstruktiven Klangverkörperungen der Gegenwart in seiner quintenzirkeligen Umhertasterei in der Harmonie-Affekten-Ordnung nicht ganz reizlos wirkend.

Zentral blieb der Mutter-Ton: groß, bei vollem Strich, oft stark vibrierend, aber auch, wo es der Solistin geraten schien, ganz vibratolos. Einige Luftpausen wie Phrasierungszäsuren. Ansonsten: Mozart in schönster Hauptströmung.

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