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Geigerin Mutter mit der Philharmonia Zürich, rechts deren GMD Fabio Luisi.

Anne-Sophie Mutter

Schönheit bietet eine Alternative

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Anne-Sophie Mutter tritt geschmackssicher mit Max Bruch und Toru Takemitsu in der Alten Oper Frankfurt auf.

Die Fülle des satten, unschlagbar brillanten Wohllauts ist das Terrain von Anne-Sophie Mutter. Den Mai der großen Violinistinnen in der Alten Oper Frankfurt – zuvor die geniale Hilary Hahn und die wunderbar disziplinierte Viktoria Mullova in dichter Folge – schloss sie jetzt mit einem gewissermaßen umfassenden Auftritt ab: Sie kombinierte Max Bruchs 1. Violinkonzert vor der Pause mit dem nach der Pause folgenden Stück „Nostalghia“ des Japaners Toru Takemitsu (1930-1996).

Souveräne Virtuosin

In Mutters Lesart trifft dabei gar nicht so deutlich wie vielleicht erwartet Alt und Neu aufeinander. Das liegt nicht nur daran, dass sie auch ihr immer gepflegtes Engagement für neue Musik natürlich ihren Vorlieben anpasst. Es ist vielmehr ihr Spiel, das eine Setzung ist. Der opulenten Melancholie Bruchs wie dem meditativen Kreiseln Takemitsus – einer Reflexion auf Andrei Tarkowskis gleichnamigen Film – begegnete sie als souveräne und gegen sich selbst geradezu asketische Virtuosin.


Kein Doppelgriff wirkte hastig, kein noch so hoher Flageolett-Ton geriet ins Ungefähre, keine Attitüde stellte sich zwischen die Musik und die Zuhörer. Noch im Fahlen und im Verzicht auf Vibrato – das sie als Königin desselben bei Bruch stark zum Zuge kommen ließ, aber in „Nostalghia“ zum Teil eisern zurücknahm – lag Schönheit als Alternative zu allem. Der Zusammenhang mag bei diesem Eindruck eine Rolle gespielt haben: Am Abend nach dem Anschlag in Manchester widmete Mutter Takemitsus Werk den Opfern und ihren Verwandten. Vorher eine Gedenkminute, hinterher keine Zugabe. Eine unheimliche Geschmackssicherheit begleitet Mutter auf praktisch allen ihren Wegen.

Ein gelungener Triumph für gute Bläser-Nerven

Auf einer kurzen, aber intensiven Tournee war sie die ganze Woche über mit der Philharmonia Zürich unterwegs, dem Orchester der Oper Zürich. Eine sympathische Eingespieltheit zeigte sich in Frankfurt. Am Pult stand der Zürcher Generalmusikdirektor Fabio Luisi, mit dessen Amtsantritt 2012 – der damals erfolgte Namenswechsel signalisiert das – ein verstärktes Mitmischen im Konzertgeschehen einherging. Quasi eine Überleitung von der Oper ins Sinfonische war der Auftakt mit Carl Maria von Webers „Oberon“-Ouvertüre, hier ein gelungener Triumph für gute Bläser-Nerven. Als Begleiter wirkten die Schweizer lebhaft, waren im Violinkonzert ein drängender, aber nicht aufdringlicher, sehr homogener Partner.

Zum Abschluss mit Johannes Brahms’ 4. Sinfonie verblüffte zunächst, wie sinnig sie sich an „Nostalghia“ anschloss, was vielleicht dem weich, fast etwas knochenlos erscheinenden ersten Satz geschuldet war. Im Verlauf wurde es interessanter und farbenreicher, blieb dabei auch in der Wucht transparent.

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