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Schöne Flaschenpost

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Der australische Musiker RY X segelt mit seiner neuen Band The Acid geduldig durchs Frankfurter Zoom. Gleichmut und auch ein Gefühl von Langeweile gehört zu diesen Titeln. The Acid können beides gut aushalten.

Von Tim Gorbauch

Lange Zeit fällt kein Licht auf die vier Musiker. Wie Schattenrisse bewegen sie sich vor einer Leinwand, auf die unkonkrete, stark vergrößerte, manchmal amorphe Strukturen projiziert werden. Nichts will hier strahlen. Nichts will hell sein oder offensichtlich, sondern im Dunklen bleiben, verborgen und versteckt.

Tief frequente, schwere, meist auch verschleppte Bässe dominieren die Musik und öffnen sie doch eher nach innen als nach außen. Ein Geisterhall liegt über Sounds, die sich mit endloser Geduld in den Raum ausbreiten.

Darüber segelt schwermütig die Stimme des australischen Singer/Songwriters RY X, der eigentlich Ry Cuming heißt. Verkapselt, enigmatisch und doch auch so schön wie eine Flaschenpost eben nur klingen kann.

RY X, der inzwischen in Los Angeles lebt, ist eine der schillerndsten Heulbojen des Folkgesangs, ein junger, selbstredend bärtiger Hipster mit ausgeprägter Liebe zur eigenen Kopfstimme und wolkiger, entschleunigter Musik.

Nun wagt er sich mit neuer Band, die sich The Acid nennt und vor etwas mehr als zwei Monaten ihr landauf landab gefeiertes Debütalbum – „Liminal“ – veröffentlichte, ins elektronische Terrain. An seiner Seite Steve Nalepa, Professor für Musiktechnologie in Kalifornien, und Adam Freeland, Grammy-nominierter DJ und Produzent aus England.

Vieles erinnert da natürlich an James Blake, dieses Gefühl für Raum und Stille, diese bestechende Fähigkeit, Pausen zu setzen, Musik förmlich bröckeln und dabei wenig bis nichts passieren zu lassen. Ein Song wie „Animal“, der Eröffnungstrack des neuen Albums, warm und kühl zugleich, steht dafür ein und zeigt zugleich, was The Acid noch darüber hinaus bieten: schaurig-schöne Drumsounds der 80er Jahre, als virtuos-synthetisches, aber eben auch wieder nie offensichtliches Museum.

Gleichmut und auch ein Gefühl von Langeweile gehören dennoch zur Musik. The Acid können beides gut aushalten. Manchmal aber weiten sich die Songs dann doch, werden groß, fast partyesk und lassen die Belüftungsanlage im gut gefüllten Zoom in der Brönnerstraße scheppernd erzittern. Für Momente spielt RY X, die E-Gitarre um den Hals, sogar mit einer uralten Grunge-Attitüde. Da erinnert er sich wohl auch an seine eigene Geschichte. Als seiner Vorbilder benannte er einmal Jeff Buckley und Pearl Jam.

Weitere Konzertdaten: 22. September Berlin, 24. September Mannheim.

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