Alte Oper

Die Schneeflocken tanzen nicht

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Tschaikowsky und Armenisches im ersten Museumskonzert des Jahres 2018 in der Alten Oper Frankfurt.

Ein reines Tschaikowsky-Programm hätte man nach Anhören der drei Werke des ersten Museumskonzerts im neuen Jahr sagen können, denn Alexander Arutjunjans „Konzert für Trompete und Orchester As-Dur“ aus dem Jahr 1950 ist so elegant in die tradierte Musiksprache des späten 19. Jahrhunderts eingeschmolzen, dass man sich fragen konnte, ob ein entsprechendes Werk des Schöpfers von „Nussknacker“, „Dornröschen“ oder „Schwanensee“ nicht den melodisch-virtuosen Bewegungen des mit Stalin-, Volkstümlichkeits- und armenischem Staatsorden ausgezeichneten Künstlers ganz ähnlich gewesen wäre. Vielleicht süffiger, dichter instrumentiert, weniger apollinisch als der Klangverlauf, der jetzt im Großen Saal von Frankfurts Alter Oper stattfand.

Arutjunjan, 1920 im armenisch-sowjetischen Jerewan geboren, war neben Aram Khatschaturjan der berühmteste und populärste Komponist seines Landes – ein Muster ethno-realistischer Klassik, die allerdings wesentlich subtiler als bei seinem Landsmann zum Tragen kam.

Die Frankfurter Aufführung war maßgeblich bestimmt von dem als „Paganini der Trompete“ apostrophierten, 1977 in Gorki geborenen Sergei Nakariakov. Eine Fehldeutung, denn alles grell Virtuose, zirzensisch Aufgezäumte fehlt der makellos leicht und pointiert sich gebenden Artikulation. Ein Mozart der Trompete – das würde schon eher passen: quicklebendig, fließend melodiös, unangestrengt, in feinem Timbre leuchtend bis hin zu fast nach legerer Bar-Musik klingender, gestopfter Trompete. Das von Sebastian Weigle dirigierte Tutti spielte ganz d’accord.

Begonnen hatte das Programm mit einer Suite aus dem Ballett „Schwanensee“, die in den großen Bewegungszügen des Sehnsuchtsmotivs, das so sehr nach Lohengrins Frageverbots-Kantilene klingt, unter Sebastian Weigle sich in mächtiger, aber nicht zu elegischer Fasson entfaltete und am Ende in seiner doppeldeutigen Resonanz besonders bestach. Eher blass blieben die Charakter-Sätze dazwischen – von der „Danse des cygnes“ bis zum Szárdás der „Danse hongroise“. Auch bei Peter Tschaikowskys „Sinfonie Nr. 1 g-Moll op. 13“, die den Beinamen „Winterträume“ trägt, viele Grauwerte, die die im Programmheft beschworenen „tanzenden Schneeflocken“ und die „lodernden Flammen“ vermissen ließen. Alles Gewicht lag auf der getragenen Stimmung des „Adagio cantabile“ und einigen wenigen, dafür aber besonders ausgearbeiteten Klangzonen einer verdunkelten, mindestens melancholisch bestimmten Atmosphäre, die vom Museumsorchester reich differenziert vermittelt wurde.

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