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Das Swing Dance Orchestra mit David Hermlin.

Musik

Und Santa Claus steckt im Kamin fest

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Andrej Hermlins Swing Dance Orchestra mit einem Weihnachts-Programm in der Alten Oper.

Zuerst kommt es einem, zugegeben, etwas leise vor für den Großen Saal der Alten Oper. Aber Ohren können ermatten, wenn es laut ist – darum heißt es auch ohrenbetäubend –, oder sie können aufwachen. Das tun sie dann recht schnell beim Swing Dance Orchestra, das (bis auf die Sänger, sie haben Mikrophone) ganz unverstärkt und damit entgegen der Hörgewohnheiten auftritt. Gerade noch meinte man, die vier Geigen kaum, jedenfalls zu schwach zu hören. Und dann versteht man gar nicht, was das Problem sein soll an diesem wunderbar cremigen, elegant schwingenden Klang.

Aus einer kleineren Band ließ Andrej Hermlin, musikalischer Sohn des Schriftstellers Stephan Hermlin, 1995 das Swing Dance Orchestra entstehen, das sich mit Enthusiasmus dem Swing der 30er und 40er Jahre verschreibt. Meist dem amerikanischen nach Art von Glenn Miller oder Benny Goodman, aber es gibt auch ein Album mit „Swing aus der Friedrichstraße“, mit Vergessenem und Rarem, doch auch einer Swing-Version von „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“.

In die Frankfurter Alte Oper kam man jetzt auf Einladung von Pro Arte und mit einem Programm amerikanischer Weihnachtslieder, auch darunter befand sich Rares, Kurioses, fast nichts in diesen Wochen ständig Gedudeltes. Und warum auch sollte das Swing Dance Orchestra spielen, sollten Ann Sophie, David Hermlin und die Skylarks singen, was alle anderen spielen und singen?

Dafür gibt es eine „Jingle Bell Polka“, die höchst munter, aber eben, siehe oben, nicht aufdringlich ist. „Mele Kalikimaka“ ist ein ziemlich blumiges Weihnachtslied aus Hawaii, auch Bing Crosby hat es schon gesungen. Ebenso wie „Brother, Can You Spare a Dime?“ aus dem Jahr 1932: Das Lied erzählt von der großen Not zur Zeit der Wirtschaftskrise.

David Hermlin, der gerade mal volljährige Sohn des Orchesterleiters, singt die dunkle Geschichte mit innigem Ausdruck. Überhaupt scheint er auf gutem Wege, ein veritabler Crooner mit Schmelz in der Stimme zu werden; nur mit der Textverständlichkeit hapert es noch etwas.

Eine so kräftige wie dunkel grundierte Stimme hat Ann Sophie, sie erfreut unter anderem mit einem im Kamin feststeckenden Santa Claus, wünscht sich dann trotzdem von ihm, er möge ihr „my man“ zurückbringen. Die Skylarks sind indessen für glockenhelle Schlittenfahrten zuständig. Und für den Auftritt des originalen Weihnachtsmanns.

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