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Sampa The Great „As Above, So Below“: Die jeden Berg erobern kann

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Von: Stefan Michalzik

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Sampa The Great 2022 beim Coachella Valley Music And Arts Festival.
Sampa The Great 2022 beim Coachella Valley Music And Arts Festival. © Matt Winkelmeyer/afp

Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln in Sambia: Sampa The Great und ihr Album ,,As Above, So Below“

Die injuriengespickte Behauptung von Omnipotenz ist ein Teil der Geschichte des Raps, dieses lange Zeit primär männlich geprägten Genres. Sampa The Great: diese Namenswahl markiert einen Konter im Sinne einer weiblichen Selbstermächtigung, zugleich geht es um das Überwinden von Selbstzweifeln und Angst.

In „Tilibobo“, einem der Songs auf „As Above, So Below“, ihrem gerade erschienen zweiten Album, rappt Sampa The Great in parodistischer Absicht, wie wenn sie ein weiblicher Macho wäre. Auf diesem Album bringt die 1993 als Sampa Tembo in Sambia geborene und in Botswana aufgewachsene Rapperin, die nach einigen Jahren in San Francisco zuletzt in Australien gelebt hat, ihre afrikanischen Wurzeln erstmals explizit mit den Sounds der zeitgenössischen Popmusik zusammen. Gleich in „Shadows“, der ersten Nummer, trifft das mit dem Daumen gespielte afrikanische Lamellophon Mbira auf die hier in einem Afrostil rappende Sampa. Eine fundamentale Rolle – später mehr dazu – kommt dem Zamrock zu, einer Musik der Generation ihrer Eltern, in den siebziger Jahren entstanden aus einer Kreuzung der psychedelischen Rockmusik und des Garagenrocks der späten sechziger Jahre mit afrikanischen Rhythmen. Spuren davon finden sich immer wieder, gepaart zumeist mit Elektrobeats, hibbeligen Bassbeats beispielsweise auf „Bona“ wie auch „IDGAF“. „Lo Rain“ klingt nach einer souligen Spielart von Easy Listening. Zu Beginn von „Mask On“ wird via Sample ein sambisches Kinderlied zitiert.

Selbstzweifel und Ängste wischt das Song-Ich in „Let Me Be The Great“ hinfort mit den Zeilen: „The fact that a queen named Lauryn said you can conquer any hill – that’s how I feel“ – eine Verbeugung vor der Rap-Pionierin Lauryn Hill, mit der großen Ethnopopsängerin Angélique Kidjo als Gast. Neben dem Londoner Rappoeten Kojey Radical und dem Cloud-Rap-Pionier Denzel Curry gastieren auch überlebende Veteranen von der Zamrock-Band Witch sowie Sampas Schwester Mwanjé. Sampa rappt und singt mehrsprachig, sie wechselt zwischen dem Englischen, der Bantu-Sprache Wemba und Setswana, der Sprache ihrer Kindheit und Jugend in Botswana.

Das Album:

Sampa The Great: As Above, So Below. Concord Records.

Aufgenommen hat sie das Album in Sambia, wohin sie vor zwei Jahren zurückgekehrt war, um neue Kräfte zu sammeln. Als schwarze Rapperin, sagte sie in einem Interview, habe sie das Gefühl gehabt, ständig werde von ihr erwartet, dass sie Statements als Sprecherin einer Generation abzugeben habe. „Als schwarze Künstler haben wir nicht ohne weiteres den Spielraum, einfach nur Künstlerinnen zu sein. Ich hatte das Gefühl, derart viele Menschen repräsentieren zu müssen: Frauen, schwarze Menschen in Australien, afrikanische Menschen in Australien.“ Im heimischen Sambia habe sie wieder zu sich selber gefunden. Und sie hat eine Band mit Musikern aus dem südafrikanischen Land zusammengestellt.

Mit Prince zu vergleichen

Bereits auf „The Return“, ihrem vor drei Jahren veröffentlichten „offiziellen Debüt“ nach einem vorausgegangenen „Mixtape“ hatte Sampa The Great zu einer musikalischen Blackness zwischen Soul, Funk, Jazz und Rap gefunden, die in gewisser Weise mit jener von Prince zu vergleichen gewesen ist. Nun ist sie einen gewaltigen Schritt weiter gegangen in Richtung einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Kultur ihrer Herkunft auf der Basis von Rap und R&B.

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