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Salami Rose Joe Luis. 

Neues Album

Salami Rose: „Zdenka 2080“ – Zutritt zu neuen Dimensionen

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„Zdenka 2080“, ein fabelhaftes Album von Salami Rose Joe Louis.

Zdenka 2080“, das dritte Album von Salami Rose Joe Louis, ist bei Brainfeeder, dem Label des visionären Elektronikproduzenten Steven Ellison alias Flying Lotus erschienen – und da ist die kalifornische Musikerin, die eigentlich Lindsay Olsen heißt, bestens aufgehoben. Die Parallelen, eine elektronische Produktionsweise mit einer Affinität zu Jazz und Soul, sind offenkundig. Zwischen luzide und halluzinogen oszillieren auf diesem Album die Sounds in einem schillernden Fluss des stetigen Wandels.

Bis vor zwei Jahren hat Lindsay Olsen, die in dem kleinen Ort Crockett im Norden der Bay Area lebt, ihren Lebensunterhalt unglamourös in einem Labor zur Asbestanalyse verdient. Eine verletzungsbedingte Pause kurz nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums hat sie zum Absprung aus dem Brotberuf und einer Fokussierung auf die Musik genutzt. Die obskur versponnene, intergalaktische dystopische Fantasie, die Salami Rose Joe Louis auf „Zdenka 2080“ erzählt, ist ein Schauermärchen aus dem post-fossil-energetischen Zeitalter.

Salami Rose Joe Luis: Zdenka 2080.

Die Geschichte handelt von einer Erdlingsfrau, die erleben muss, wie eine unselige Allianz von Großkapital und handlangerischen Regierungen die Ausbeutung der Solarenergie dergestalt auf die Spitze treibt, dass ein solargetriebenes Raumschiff von metropolitaner Dimension auf die Migrationsreise zu einem immens weit entfernten Planeten geschickt wird, der noch voller unverbrauchter Ressourcen steckt. Selbstredend sind es allein die Superreichen, die auf diesem Raumschiff einen Platz bekommen; den weitaus größeren Rest der Menschheit lassen sie zurück auf einem Planeten, der ob der extensiven Solarnutzung und einer daraus resultierenden Erkaltung der Sonne unwirtlich, kalt und düster wird – von der ausbleibenden spirituellen Kraft der Sonne ganz abgesehen.

In dieser misslichen Situation entdeckt die Protagonistin einen „Octagonal Room“ (so heißt der zweite Titel) mit acht Bildern einer Malerin namens Zdenka, deren jedes einzelne eine neue Dimension eröffnet – und dabei wollen wir es mit einer Erklärung der unter dem Einfluss von Romanen der Science-Fiction-Autoren Octavia Butler und Gene Wolf ersponnenen Story dann auch bewenden lassen.

Bei den zweiundzwanzig musikalischen Miniaturen binnen gerade mal einer Dreiviertelstunde handelt es sich um mehr und von Fall zu Fall auch mal weniger trackhafte Songs, die Teil einer fortlaufenden Erzählung sind. Musikalisch handelt es sich um eine Feier der Langsamkeit. Faszinierend ist der stete Wandel der Klangbilder von Nummer zu Nummer wie auch im Verlauf der einzelnen Stücke. Sphärische Synthiesounds, mitunter beinahe wie einst in der Frühzeit der elektronischen Popmusik, etwa bei Tangerine Dream.

Da ist viel Flirren, Klimpern und Klöppeln auf Xylofon, E-Piano & Co zu hören. Der sanfte Gesang von Lindsay Olsen – und gelegentlich auch von einem männlichen Partner – ist vom Soul und noch mehr vom Easy Listening geprägt, er wird unter reichlich Einsatz von Filtern chorisch aufgefächert.

Den größten Teil der Zeit über handelt es sich auf „Zdenka 2080“ um Zustände der musikalischen Schwebe; dann aber kommen auch milde Dancefloor-Beats ins Spiel, etwa in „Earth Creature“. Da befinden wir uns schon im zweiten der durch das Interludium „A Brief Intermission“ getrennten Teile. Am Ende steht ein „To Be Continued“, was angesichts dieser Großtat von Salami Rose Joe Louis eine Verheißung darstellt.

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