+
Rumi Ogawa.

Ensemble Modern

Saiten und Felle

  • schließen

Zwei Porträt-Alben Rumi Ogawas und Megumi Kasakawas mit Musikerinnen (und Musikern) des Ensemble Modern.

Schlagzeug: Da denkt man meist zuerst an Rhythmus, Energie und vielleicht sogar ein bisschen Sport und Verausgabung am Instrument.

Bei Rumi Ogawa stehen andere Qualitäten im Vordergrund. Rumi Ogawa ist, neben ihren vielfältigen musikalischen Aktivitäten, Perkussionistin des Ensemble Modern, und ihr bevorzugtes Arbeitsgebiet ist die Kammermusik. Dass Frank Zappa ihr Anfang der neunziger Jahre die Komposition „What Will Rumi Do?“ widmete, steht auf keinem anderen Blatt. Insofern ist das Porträt-Album „perc.width“ kein Solo-Album, sondern ein tiefgründiges Kammermusik-Album.

Das hängt eng damit zusammen, dass sie darauf ausschließlich Musik von Komponisten spielt, mit denen das Ensemble Modern mehr oder weniger verbunden ist – Komponisten, die am Schlagwerk das Klangliche zu schätzen und zu gestalten wissen. „Kammermusik“, das kennzeichnet auch sehr präzise den inneren Charakter ihrer Auffassung von Schlagwerk: Rumi Ogawa sieht sich nicht zuständig für die profilierte, aber letztlich beschränkte Aufgabe, Rhythmik zu markieren. Es geht ihr eher um einen kommunikativen Prozess – der durchaus auskomponiert sein kann –, in dem das Schlagzeug sich in eine intime Nähe zu anderen Instrumenten begibt.

Die musikalische Nähe, die dabei mit Klarinette und Klavier, Violoncello, Harfe oder auch einem Akkordeon entsteht, stellt stets auch grundsätzlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Typisierung des Instrumentariums. Auch das Klavier und sogar die Klarinette erscheinen plötzlich als Schlagwerk, und schon der Titel von Manfred Stahnkes „Strings & Skins“ deutet auf eine enge organische Verwandtschaft zwischen einem Instrument, auf dem mit Fellen Klang erzeugt wird, und einem Instrument mit (ursprünglich) Darmsaiten.

Es ist weniger Zurückhaltung, die Rumi Ogawas Spielhaltung kennzeichnet, es ist eher eine empathische, kommunikative Ausrichtung, die sich nicht auf vertikale, unterteilende Strukturen, sondern auf horizontale klangliche Ereignisse konzentriert und dabei viel mehr Experimente wagt, als man hören könnte, wenn man eine bloß rhythmische Erwartungshaltung einnähme. Eine erstaunliche und überaus intensive Begegnung mit einem perkussiven Instrumentarium von unterschiedlichstem Charakter.

Megumi Kasakawa, seit sieben Jahren Bratschistin des Ensemble Modern, ist bei ihrem Porträt-Album „for viola“ einen ähnlichen Weg gegangen: Sie umkreist ihr Instrument und seine reichen Möglichkeiten mit Hilfe von zehn Komponisten des 20. Jahrhunderts, und offenbar liegt auch eines ihrer zentralen Anliegen in der Kammermusik. Außer ihr selbst sind die Ensemble-Modern-Musiker Christian Hommel, Oboe und Englischhorn, der Pianist Ueli Wiget und der Kontrabassist Paul Cannon zu hören.

Wenn es um Kammermusik geht, geht es immer um gleichberechtigte Partner. Zwei wunderbar fein geschliffene, dynamisch und klanglich äußerst differenzierte Duos für Klavier und Viola von William Bergsma und Elliott Carter, aber vor allem auch das vehement musizierte Trio „rivolto“ von Helmut Zapf legen davon eindrucksvoll Zeugnis ab.

Insgesamt aber und in einer unterbrochenen, gleichwohl systematisch sich ausweitenden Sequenz markiert das Album auch den aktuellen Stand von Viola-Spieltechnik, will also zeigen, was das Instrument alles kann. Das geschieht aber immer wie nebenbei; spieltechnisches Handwerk steht nicht im Fokus. Es um die Inszenierung verschiedener Temperaturen, denen sich die Viola anverwandeln kann, und um das markante und zugleich überaus wandlungsfähige Profil einer bemerkenswerten Musikerin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion