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Anne-Sophie Mutter in der Alten Oper Frankfurt.

Alte Oper Frankfurt

Sachte Solo-Stimme

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Anne-Sophie Mutter begreift Ludwig van Beethovens Violinkonzert pianissimo.

Ludwig van Beethoven als der unendlich Versonnene, der aus tiefer Ruhe sich Entfaltende, der Träumer – die geigerische Stellvertretung in Form des Solo-Instruments in seinem Violinkonzert legt das nahe. Zumindest dann, wenn man hört, wie Anne-Sophie Mutter ihre instrumentale Rolle begriffen hat. In der Alten Oper hatte sie ihren Auftritt im Verein mit dem Orchestra d’ell Accademia Nazionale di Santa Cecilia Roma unter der Leitung von Sir Antonio Pappano.

Die perfekte Inszenierung eines Beethoven-Ausdrucks, der zwar auch seine Ausbrüche und wuchtigen Akkord-Strecken kannte, aber doch den Schwerpunkt auf fast jede zurückgenommenere, melodiöse Partie legte. Das geschah durch eine interessante, fast paradoxe Manier: mittels Befrachtung durch Pianissimo.

Leiser geht’s nimmer, dachte man schon bei den eher auf die Pauke gehauchten denn gesetzten vier Schlägen des Beginns, und erst Recht bei der sich langsam und sachte ins Geschehen einbringenden und sich dort in lichter Überempfindlichkeit festsetzenden Solo-Stimme. Die leiseste Schwere – ein tatsächlich oft als starker Hinhorcher wirkender Clou, der die alte klassizistische Darstellungsbreite durch hauchzarte Linien ersetzte. Und damit einen raffinierten Kontrast zu den dauer-pointierten, sforzato-affinen Attitüden ergab, mit der Viele des geigerischen Nachwuchses das Bild eines ewig wilden Künstlers fürs eigene Rebellen-Portfolio nutzen.

Manchmal wurde die Klangbildung doch recht breit, wenn Mutter, die in herrlicher, klassischer Positur agierte, dem feinen Gewicht ein starkes Vibrato beilegte. Heftig auf die vertraute Art war das Finale, wo klar wurde, dass Mutter natürlich auch weiterhin ganz anders kann.

Wenig Spielraum gibt es, das „Heldenleben“ von Richard Strauss zu verfehlen, denn das Selbstporträt des Künstlers als bekämpfter Kämpfer, der letztlich seine Ruhe haben will, ist so dicht gearbeitet und in seiner Tendenz so unmissverständlich, dass sich nur die Frage stellt, wieviel von dieser Dichte über die Rampe kommt. Letztlich ruft das Werk nach der Phonografie, derer sich der Komponist denn auch wie kein zweiter seiner eigenen und der nachfolgenden Generation bediente. Die Verklumpungen auf überfüllten Podien, die Strauss oft widerfahren, wurden durch Pappano und seine glänzenden Musiker in einer sehr gut disponierten Klang-Flächigkeit ohne Detail-Grellheiten umgangen. Großartig dabei die rührend-heimeligen Partien, die eine Brücke zu den leichten himmlischen Gestelztheiten der Beethoven-Interpretation schlugen.

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