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Ry X: „Blood Moon“ - Alles vertraut, nichts verbraucht

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Von: Stefan Michalzik

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Musik von berückender Schönheit: Ry X. Foto: BMG
Musik von berückender Schönheit: Ry X. Foto: BMG © BMG

Ry X und sein irisierendes Elektrofolk-Album „Blood Moon“

Eine Sehnsucht nach Verbundenheit sei es, die ihn umtreibe, lässt Ry X gerne in Interviews wissen. Verbundenheit mit der Natur, dem eigenen Körper und den Gefühlen, mit seinem Geist. Der Sohn einer Yogalehrerin und Nachfahrin der Maori und eines Dichters spricht auch über das Meditieren und über die Lektüre tibetischer Bücher, über den Einfluss der Sterne und seine Liebe zu den Einhörnern. Einfach berückend schön und melancholisch aber die Musik des in Los Angeles lebenden Australiers mit der charakteristisch falsetthohen und Verletzlichkeit vermittelnden Stimme. Nach einer Vor- und Frühgeschichte als Sänger auf dem Album „Liminal“ (2014) des Downbeat-Trios The Acid machte er zwei Jahre später mit seinem Solodebüt „Dawn“ Furore. Jetzt hat er sein drittes Studioalbum, „Blood Moon“, veröffentlicht – verhaltene Töne von irisierender Faszinationskraft.

Alles ist hier Zurückgenommenheit, auch wenn einzelne Nummern sich mit ihren Beats sanft der Tanzbarkeit annähern. Doch eben nur annähern, mehr nicht. Album um Album findet der 1988 als Ry Cummings in dem 200-Einwohner-Ort Angourie geborene und dort aufgewachsene Sänger und Songschreiber einen neuen Dreh für seine Musik. Die zentralen Elemente indes bleiben eine reduktionistisch monotone akustische Gitarre sowie pluckernde und knisternde oder auch perkussive Elektrobeats.

In „Your Love“ schraubt sich die Stimme über der mantrenhaften Wiederholung dieser zwei Worte höher und höher; diesen Song hat er gemeinsam mit dem Berliner Elektronikmusiker Frank Wiedemann geschrieben und produziert, mit dem Cummings, zu dessen zahlreichen Lebensstationen quer über die Kontinente Berlin gehört, das Elektropopduo Howling bildet.

Stichwort Verbundenheit: Eingespielt hat Ry X den Grundbestand des Albums in Zurückgezogenheit in Topanga, einer Kleinstadt im Los Angeles County, die als Entstehungsort von Neil Youngs legendärem Album „After the Gold Rush“ in die Popgeschichte eingegangen ist. Einen beträchtlichen Teil der Instrumente hat er selbst gespielt, jedoch für einzelne Tracks Gäste hinzugezogen wie Ólafur Arnalds, Eric Price, Rampa, Niklas Paschburg und Gene Evaro Jr., die teilweise auch am Songwriting beteiligt waren. Dass Ry X als einen Quell der Inspiration den 1997 verstorbenen Jeff Buckley nennt, leuchtet unmittelbar ein, auch wenn die Mittel seines schwebend-sphärischen Elektrofolks ganz andere sind als die des großen Singer/Songwriters mit seiner Gitarre.

Im ganz privaten Dialog

„I don’t wanna let you go“, lautet die gleichfalls mantrisch wiederholte Floskel in einem anderen Song. Die Liebe und ihre nicht immer auf Bestand angelegten Dynamiken sind die Leitmotive in den Songs von Ry X quer über seine Alben hinweg, mal auch in Verbindung mit dem Motiv der Endlichkeit des Lebens. Das lyrische Ich spricht in einem scheinbar intimen Dialog mit dem Zuhörer, der Zuhörerin – alles an den Texten kommt einem vertraut vor und nichts verbraucht.

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