+

Frankfurter Alte Oper

Wo Russland und die Ukraine miteinander können

Mit Werken von Mozart, Strawinsky und Brahms gastierte das Orchester der Nationen am Samstag in der Frankfurter Alten Oper. Die Musiker kommen aus 40 Staaten, vorwiegend aus Osteuropa. Instrumentalisten aus Russland und der Ukraine leben in dieser Formation den friedlichen Umgang miteinander vor.

Von Wolfgang Heininger

Justus Frantz wäre nicht Justus Frantz, wenn der alte Pfau nicht erst ellenlange Grußworte, unter anderem von seinem Freund, Altbundeskanzler Helmut Schmidt, zum kleinen Jubiläum des Ensembles verlesen hätte, ehe der erste Ton erklang. Wobei er erklärte, die Reihe könne noch bis tief in die Nacht fortgesetzt werden. Offenbar um die verlorene Zeit wieder aufzuholen hetzte der Dirigent – in roten Socken, mit rotem Einstecktuch und gleichfarbiger Brille - dann am Ende durch den 5. ungarischen Tanz von Brahms, dass dem Publikum schwindelig werden konnte.

Der bislang erfolgreichste mediale Verkäufer klassischer Musik und natürlich seiner selbst hatte dabei ein Programm zusammengestellt, bei dem nichts schiefgehen konnte. Das vierte Violinenkonzert von Mozart, Strawinskys Feuervogel und Brahms zweite Symphonie gehen immer.

Übermütige Geigerin

Zumal, wenn der Klangkörper, der nun einmal nicht ständig zusammenspielt, doch zu einer harmonischen Leistung findet, wie es am Samstag der Fall war. Schließlich werden die Akteure, die nicht älter als 35 Jahre alt sein sollen, allein anhand eingesandter Arbeitsproben ausgewählt und nicht durch tagelanges Vorspiel ermittelt.

Ein Glücksfall für das Orchester ist auch die Geigensolistin Wonhee Bae. Obwohl die junge Südkoreanerin ihre Ausbildung noch nicht gänzlich abgeschlossen hat, sorgte sie mit ihrem übermütigen und frechen Spiel schon international für Aufsehen und gastierte nicht zum ersten Mal in der Alten Oper.

Die 28-Jährige verschmilzt geradezu mit ihrem Instrument und lässt das doch vergleichsweise biedere Mozartstück speziell beim Andante nicht zu sehr in Wienerische Weinseligkeit abgleiten. Sie entstaubt das Violinenkonzert mit der nötigen Ruppigkeit, während sich das Orchester fein zurückhält. Die erhoffte Zugabe versagte Wonhee Bae dem Publikum jedoch.

Es braust und brodelt im Orchester

Dafür entschädigte der ungestüme Klangkörper jedoch mit Strawinskys erfolgreichster Konzertsuite, die ursprünglich nur für Ballett gedacht war. Der Feuervogel brauste und brodelte durch das Orchester, das die eigentlich sieben Teile in einen einzigen Rausch verwandelte, der viel zu schnell verklungen war.

Dass Johannes Brahms durchaus nicht nur beschwingte, heitere und romantische Seiten aufweist, zeigt der Komponist in den ersten beiden Sätzen seiner Symphonie in D-Dur auf. Da scheint viel Verzagtheit, zuweilen gar ein Anflug sanguiner Verzweiflung durch, ehe er in den letzten beiden Sätzen noch einmal ordentlich durchstartet und das Ende wie in Dvoraks Neunter zum ultimativen Rausschmeißer gerät. Viele im Parkett und auf den Rängen wären wohl gerne noch lange geblieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion