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Rufus Wainwright im Frankfurter Palmengarten: Mit Pathos und Selbstironie

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Von: Stefan Michalzik

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Rufus Wainwright. Foto: Carsten Windhorst / FRPAP.com
Rufus Wainwright. Foto: Carsten Windhorst / FRPAP.com © Carsten Windhorst / FRPAP.com

Rufus Wainwright eröffnet Summer in the City im Palmengarten.

An Selbstironie mangelt es Rufus Wainwright nicht. Diesen Song brauche er zum Einsingen, sagt er bei seinem Konzert im Frankfurter Palmengarten im Zuge des von Mousonturm ausgerichteten Summer-in-the-City-Festivals, denn „Vibrate“ vom Album „Want One“ (2003) enthalte eine sehr, sehr lange Note. Die historische Bezugsgröße für den kanadischen Singer/Songwriter stellt weniger der Folk dar als vielmehr das Great American Songbook, also George Gershwin, Cole Porter und Konsorten. Da geht es um eine auratische Größe, um die große Kunst des Arrangements, geschult am Broadway-Musical wie auch Brian Wilson, Van Dyke Parks und Randy Newman. Da ist nicht zuletzt auch einiges Pathos im Spiel, wenngleich in eher nonchalanter Art. Exaltiertheit ist unverzichtbar.

Der eine oder die andere mag noch das denkwürdige Konzert 2005 im einstmaligen Frankfurter Kinopalast Royal in Erinnerung haben, mit einer Dragqueen-Einlage im Striptanga und mit Engelsflügeln. Im Palmengarten sitzt Wainwright schlicht allein am Klavier, für schätzungsweise die Hälfte der Songs wechselt er an die akustische Gitarre. Am Klavier wirkt er durchaus wie hingegossen, auf der Gitarre hingegen geht viel von der harmonischen Eleganz und Finesse der Songs verloren. Glam gleichwohl selbst hier noch, das macht vor allem die ausladende, charakteristisch metallisch-nasale Stimme mit reichlichem Gebrauch des Tremolos.

Stichwort Selbstironie: „Jericho“ aus dem von Mark Ronson koproduzierten Album „Out of the Game“ (2012) bezeichnete der in wenigen Tagen 49-Jährige als einen seiner „most possible hits“. Beträchtlich die Anhängerschaft, den Rang eines Superstars indes hat Wainwright, seiner Ambition zum Trotz, in beinahe 25 Karrierejahren nicht erlangt. Mit dem Versuch eines Brückenschlags zur „Hochkultur“ ist er so mäßig glückreich gewesen wie vor ihm bereits Elvis Costello und Paul McCartney.

Quer durchs Repertoire

Im Konzert streifte er einmal quer durch sein ganzes Repertoire. 2020 hatte er, nach acht Jahren Pause, endlich wieder ein – hervorragendes – Popalbum, „Unfollow the Rules“, vorgelegt. In den Konzertfassungen solo machen sich einige Songs aus der Oper „Hadrian“ nicht übel. Die unterschwellige Verarbeitung von Dingen aus der musikalischen Romantik – „that’s very Tschaikowsky“ sagt er an einer Stelle, liegt Wainwright gut.

Zum Schluss hin „Over the Rainbow“, die Nummer der von Wainwright verehrten Judy Garland, a cappella im Chor mit dem Publikum, mit einer temperierten Emphase seinerseits; in der Zugabe unter anderem das immer wieder gern gewählte „Hallelujah“ von Leonard Cohen, dem Patchworkfamiliengroßvater von Wainwrights Tochter.

Stehende Ovationen am Ende dieses hinreißenden Konzerts – das gehört sich einfach für einen wie Rufus Wainwright.

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