Frankfurt

Die Rückkehr der Wölfe

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Laura Gibson aus Oregon singt in der Brotfabrik vom Leben, von Abschieden und Aufbrüchen.

Auf der Hülle zu „Goners“, dem jüngsten Album von Laura Gibson, ist ein Bild von einem Wolf zu sehen, der gerade dazu ansetzt, durch ein offenes Fenster zu steigen, hinaus in die Wildnis. Die Wölfe, erzählt die in New York lebende Sängerin und Songschreiberin bei ihrem Konzert im bestuhlten Saal der Frankfurter Brotfabrik, seien im heimatlichen US-Bundesstaat Oregon (wie ja auch bei uns in Deutschland) dabei, wieder zurückzukehren. Das fasziniere sie. Die Songs auf ihrem Album, schreibt sie, sollen wie Fabeln anmuten.

Nun entspricht Laura Gibson nicht dem Bild einer versponnenen Popelfe, wie man das vielleicht denken könnte, wenn man das so hört. Ihre Musik ist tief verwurzelt in Folk und Country, nach einigermaßen puristischen Anfängen ist sie auf den Alben seit „La Grande“, dem 2012 erschienenen dritten, oft dicht instrumentiert. Das gibt ihrer Musik einen Pop-Appeal, ohne sich in selbigem zu verlieren. Auf ihrer derzeitigen Konzertreise nun tritt Gibson jedoch beinahe solistisch in Erscheinung. Über große Teile des Abends steht die hagere 39-Jährige mit dem neuerdings langwallenden dunkelblonden Haar allein auf der Bühne. Sie zupft zu ihrer reizvoll herb timbrierten und etwas brüchigen Altstimme in einem klassischen Folkpicking die Gitarre oder spielt ein zumeist auf E-Piano gepoltes Keyboard. Dazwischen kommt eine Begleiterin und Harmoniesängerin hinzu, die wiederum zwischen dem Keyboard und der Violine wechselt.

So zugetan Laura Gibson bei den Ansagen lächelt, so durch und durch ernst ist es beim Vortrag ihrer Lieder. Ungefähr zum letzten Drittel des Konzerts hin sagt sie, mit dem nächsten Titel sei der tiefste Punkt der Melancholie erreicht, danach, so könne sie das Publikum (falls nötig) beruhigen, gehe es wieder aufwärts. Ganz klassisch erzählen die Songs vom Leben und von der Liebe, sie handeln von Aufbrüchen und Abschied, in einer bei allem Ernst und aller Melancholie gefassten Art. Sie selbst hat ihre Songs einmal in zwei Kategorien eingeteilt: die „Communion Songs“, also solche, in denen es um die Zuwendung zu einem geliebten Menschen, zu Gott oder der Familie gehe, und die „Funeral Songs“, die von existenzieller Einsamkeit und Vergänglichkeit handeln.

Mitunter ist der Rhythmus der Balladen milde tänzerisch-beschwingt, einmal gibt es auch einen ostinat plinkernden Loop. In einer A-cappella-Nummer zum Schluss ist das Publikum gehalten, den Chor zu markieren – Stichwort „Communion“ –, was erfreulich gut gelingt; und ganz am Ende stellt sich Laura Gibson mit ihrer Gitarre ohne Mikrofon an die Rampe. Laura Gibson ist eine Musikerin von ganz eigenem Format, der Abend von einem bezaubernden Reiz und ohne Gefahr, ins Kitschige abzugleiten.

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