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High! Nun zum Jubiläum des Ensemble Modern.

Musik

Rückblick ohne Nostalgie

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Das Ensemble Modern spielt noch (oder wieder) einmal Musik von Frank Zappa.

Da kommt der gelbe Hai, es gibt ihn also noch. Los geht es mit den rhythmisch hechelnden Dog Breath Variations und Uncle Meat, bündig zu Dog / Meat zusammengezogen (der Hund braucht Fleisch). Das Mädchen im Magnesiumkleid ist wieder da und, ach, auch der unvergessene G-Spot, dem ein Tornado gewidmet ist. Und nach der Pause beantwortet Rumi Ogawa die beunruhigte Frage „What will Rumi do?“ auf der Taiko-Trommel.

Doch zur Sache. Das Ensemble Modern wird bald seinen 40. Geburtstag feiern, das ganze Jahr 2020 lang und international. Das Ensemble Modern war Frank Zappas letzte Band, damals, vor ungefähr 27 und mehr Jahren. Im September 1992 wurde die Orchester-Suite The Yellow Shark in der Alten Oper uraufgeführt, unter kampfsporthafter Mitwirkung der kanadischen Tanzcompagnie La La La Human Steps.

Der schon sehr kranke Frank Zappa selbst dirigierte zwei Stücke, Peter Rundel den Rest. Zu seinem 20. Geburtstag spielte das Ensemble unter der Leitung von Jonathan Stockhammer ein zweites Zappa-Album (Greggery Peccary & Other Persuasions) ein.

Klar und unvermeidlich, dass die schöne, alte Zappa-Kiste im Vorfeld des 40. Ensemble-Geburtstages wieder ausgepackt werden muss. Die Zusammenarbeit mit Frank Zappa war das größte Crossover-Projekt des Ensemble Modern, und weil die Zeiten des Crossover zu Ende gehen, sollte man vielleicht kurz erklären, was das war. Zappa galt als Rockmusiker, auch wenn etliche seiner Ambitionen eher in Richtungen der Neuen Musik zielten und viele seiner Einflüsse – Stockhausen, Cage, Varèse – aus diesem Kontext stammten.

Auf einem schmalen Grat

Pierre Boulez war der erste seriöse Musiker gewesen, der Musik von Frank Zappa eingespielt hatte, aber er entschied sich gegen (oder schätzte nicht) den Crossover-Charakter und machte daraus eher Kammermusik. Das Ensemble Modern aber schaffte den Grenzgang. Es blieb auf dem Grat, balancierte und rutschte nicht ab, biederte sich nicht an bei Hörwünschen der Rock-Fans und nicht bei der E-Avantgarde. The Yellow Shark war ein Produkt zwischen den Grenzzäunen, mit dem Zappa selbst ganz und gar zufrieden war. Und Ali N. Askin mit seinen feinsinnigen und präzisen Arrangements war von Anfang an dabei.

Im Großen Saal der Alten Oper sitzen etliche Hörer, die damals auch schon dabei waren; der Anteil an Zappa-Lookalikes ist jedoch deutlich geringer. Aber in der Musik gibt es keine Wiederholungen, nur Variationen. Das Ensemble Modern tritt wieder in Schwarzweiß mit Hosenträgern auf, aber seine Spielweise ist von einer enormen Frische, angereichert mit ironischen Klein-Choreografien, und vielleicht sind hier und da Arrangements auch ein wenig bearbeitet. Bei der Revised Music for Low Budget Orchestra etwa. Die überaus komplexe Tontechnik unter der Regie von Norbert Ommer liefert ein bestechend klares Klangbild.

Nichts klingt hier wie ein Rückblick. Das Publikum, das sich für zwei selige Stunden in alte Zeiten zurückversetzen lassen und dabei gleichwohl ganz aktuelle Musik hören kann, applaudiert mit (angemessenem) Überschwang die Zugaben herbei.

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