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Alte Oper

Rudolf Buchbinder mit Diabelli-Variationen in Frankfurt: Ein gewaltiger Sog

  • VonBernhard Uske
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Rudolf Buchbinder mit neuen und alten Diabelli-Variationen in der Alten Oper Frankfurt – Beethoven wie immer eine Klasse für sich.

Im Jahr 1819 hatte der Verleger Anton Diabelli bei vielen Komponisten ein Werk bestellt, das je eine Variation eines vom Auftraggeber gefertigten Themas darstellen sollte. Beethoven komponierte dann 33 Variationen, die 1823 gesondert erschienen und als sein Opus 120 zu den größten Werken der abendländischen Musik gezählt werden.

Rudolf Buchbinder, der mit dem Komponisten fast synonym gewordene 74-jährige Pianist, stellte das Werk beim Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper Frankfurt vor und sich selber als eine Art Diabelli zweiter Ordnung. Hat er doch Künstler seiner Zeit beauftragt, dem alten Diabelli-Thema je eine Variation in eigener Klangsprache zu widmen.

Zunächst also zehn neue Diabelli-Variationen, zum Beethoven-Jubiläum 2020 geschaffen. Neun Komponisten und eine Komponistin aus den Jahrgängen 1932 bis 1974 – eine Auswahl, die sich im Rahmen eines zwar recht breiten, aber doch begrenzten Spektrums bewegte, was Tonbildung, Satzbau und Zeitraum betrifft.

Eine spöttische Variante

Meist blieb das Diabelli-Thema deutlich zu erkennen, bezogen sich doch die meisten neuen Beiträge vor allem auf den rhythmisch charakteristischen Geschwindwalzer des Vordersatzes. Wenige, darunter Max Richter, Rodion Shchedrin oder Tan Dun nutzten die harmonikalen Perspektiven des Nachsatzes stärker. Jörg Widmann war der einzige, der einen spöttischen Ton (mit Radetzkymarsch-Assoziationen) anschlug.

Enttäuschend war die pauschale pianistische Realisierung durch Buchbinder etwa bei Toshio Hosokawas „Verlust“, der auf der CD-Veröffentlichung dieser Werke subtil und nachwirkend ist. So konnte man im Großen Saal nur einen ersten Vorgeschmack der 2020er Diabelli-Nachlese erhalten.

Anschließend gab es eine Auswahl der ursprünglichen Diabelli-Beiträger: Carl Czerny zeigte als Meister der Tastentechnik, was er kann, der junge Liszt bot schon Proben seiner späteren Feurigkeit, Franz Schubert formatierte fast voraussehbar in sachter modulatorischer Eintrübung. Interessant der Mozart-Sohn Franz Xaver mit rollenden klavieristischen Verläufen.

Der Ort grandioser Charakter-Exzessivität aber waren die Beethoven-Variationen. Ein Raum, ein Drama, eine Klasse überragender Qualität. Ein einziger Sog, bei dem das auch hier in seiner Könnerschaft fast geläufige Spiel Buchbinders nicht zu stören vermochte – so stark ist die Gewalt dieser Tongestalten-Presse. Die rastlose und einebnende Darbietung verdichtete den Zyklus eher zu einem Block, der ständig andere Facetten seiner harten und gleißenden Oberfläche präsentierte.

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