Musik

Blues-Legende Van Morrison vor leeren Reihen in Berlin

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Van Morrison, inzwischen 74 Jahre alt,  hat sich nach der Scheidung von seiner Frau in die Arbeit gestürzt - seine Fans profitieren davon. 

Kurz vor Beginn klafften auf den Rängen noch erschreckend große Lücken. Die Halle am Berliner Ostbahnhof war von den Kulissenschiebern auf die Hälfte ihrer Kapazität reduziert worden und erwies sich trotzdem noch als zu geräumig für den großen kleinen Mann mit Hut. Die Frage war, wie Van Morrison, der nicht für seine gute Laune bekannt ist, auf die leeren Reihen reagieren würde. Kurz gesagt: Gar nicht. Er kam auf die Bühne, startete mit „Let’s Get Lost“ vom Album „Versatile“ und arbeitete sich ruck zuck durch ein Programm mit 22 Songs, ehe er nach reichlich anderthalb Stunden und der notorischen Zugabe mit „Gloria“ grußlos wieder verschwand.

Van Morrison, inzwischen auch schon 74 Jahre alt, wurde vor noch nicht so langer Zeit von seiner Frau geschieden und hat sich in diesem Zusammenhang, wie anzunehmen ist, in die Arbeit gestürzt. Innerhalb von einem Jahr sind drei neue Alben von ihm erschienen, größtenteils mit alten Stücken, Standards aus der Ära von Blues, Swing und frühem Rock’n’Roll.

Es sind viele Up-Tempo-Nummern dabei, in denen seine sechsköpfige Band immer mal wieder Raum für kleine Soli bekommt, der durchweg fingerschnippende Rhythmus gab dem Ganzen den Charakter eines Jazz-Konzertes, old time natürlich. Dazu trug auch bei, dass Morisson ein paar Mal selbst zum Saxofon griff und es in seiner seltsam trötenden Weise bediente. Ein Virtuose auf dem Instrument ist er nicht, es dient ihm eher als Erweiterung seiner Stimme. Und diese Stimme ist nach wie vor auch in ihrer Vokalisation exzellent.

Für den Liebhaber dieser Art von Musik ist es ein nahezu kulinarischer Genuss, wenn er in den typischen Morrison-Flow findet und die Worte wie in einem Bewusstseinsstrom knödelt, murmelt, barmt, scattet. Ein-, zweimal kommt es vor, dass er am Ende eines Songs atemlos den nächsten reinruft, bei „Wild Night“ etwa, und die Band sofort einspringt.

Neben den Rhythm & Blues-Stücken sind es dann aber doch die Klassiker, denen die Zuneigung des Publikums gehört, „Moondance“, „Cleaning Windows“, „Enlightment“ und eine forcierte Fassung der Ballade „Have I Told You Lately“, bei der Morrison sehr schön mit seiner wundervollen Backgroundsängerin Dana Masters duettierte – ohne sie dabei auch nur anzusehen. Die einzige Form von Kommunikation, die Van Morisson kennt, wenn er auf der Bühne steht, ist seine Musik. Als er einmal den Hut lupfte, gab es vom Publikum Szenenapplaus. Er tat es nur, um sich den Schweiß abzuwischen.

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