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Conor Oberst.

Conor Oberst

Routiniert, trotzdem brillant

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Conor Oberst tritt mit mit Band und starken, wortreichen Songs in der Frankfurter Batschkapp auf.

Wie Conor Oberst 2002 als Kopf seiner Band Bright Eyes mit dem Album „Lifted or The Story Is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground“ erstmals Furore machte, wurde er als die nächste Generation „The Future of Rock’n’Roll“ gefeiert, in Fortführung einer Traditionslinie zwischen Americanafolk und Rock, die einst in den 60er Jahren von Bob Dylan begründet und von Bruce Springsteen weitergeführt wurde.

Der Umstand, dass das schmächtige Junggenie aus Omaha, Nebraska, in diese Reihe gestellt wurde, ist auch symptomatisch für die Etablierung von Indie als neuem Mainstream gewesen. Denn „Lifted...“ enthielt ganz hübsch sperriges Zeug, von einer hyperkargen Lo-Fi-Ästhetik mit Nähe zum New Yorker Antifolk bis zu üppigen Arrangements mit Streichern.

Großartiges Soloalbum 

Zuletzt hatte Conor Oberst im Herbst vergangenen Jahres sein großartiges, vollständig allein eingespieltes Soloalbum „Ruminations“ herausgebracht; es enthielt gleichsam die Rohfassungen der Songs, die er hernach für das im Frühjahr nachgeschobene „Salutations“ in Bandfassungen von eher solider als wahrhaftig aufregender Fasson überführt hatte. In der Frankfurter Batschkapp ist Oberst nun mit einer sechsköpfigen Band zu erleben gewesen; die Solotournee im Januar war misslicherweise an Frankfurt vorbeigegangen.

Ein wiederkehrendes Prinzip an diesem Abend ist der Beginn von Stücken allein an der akustischen oder elektrischen Gitarre oder dem mittels eines Pults als Honky-Tonk-Piano kaschierten Keyboard – dann setzt alsbald die Band ein, mit Folkfiddle, mal Akkordeon, mal Orgel, gelegentlich bläst Oberst die im Metallgestänge umgehängte Mundharmonika. Das Klangbild ist übergroß und drall, mit Hang zur Überladung.

In jedem Fall ist die Band brillant. Mehr als eine Spur Routine ist allerdings auch zu spüren. Mr. manische Dringlichkeit, der nach wie vor starke, fiebrig wortreiche Songs mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus hervorbringt, wirkt gesetzter als einst. Einige der stärksten Momente entstehen im unbegleiteten Duo mit dem Gitarristen Taylor Hollingsworth. Umjubelt sind natürlich die bekannten Bright-Eyes-Nummern zum Schluss hin.

Mitgebracht hatte Oberst die mit Recht vielgerühmte junge New Yorker Folkrockband Big Thief um die Sängerin und Songschreiberin Adrianne Lenker. Ihre düstertrüben, mit einer hauchig-introvertierten Stimme vorgetragenen Songs garniert Lenker mit einer furios splitterigen Rockgitarre. In einer kargen Opulenz tragen Big Thief die Americana-Stafette weiter, mit großer Fortune.

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