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Der symbolisch aufgeladene Ort des Geschehens: Das Gallus-Theater in den ehemaligen Adlerwerken Frankfurt, in denen sich das KZ-Außenlager Katzbach befand.
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Der symbolisch aufgeladene Ort des Geschehens: Das Gallus-Theater in den ehemaligen Adlerwerken Frankfurt, in denen sich das KZ-Außenlager Katzbach befand.

Uraufführung

„Romano Kidipe“ von Adrian Gaspar im Gallus-Theater Frankfurt: Drei Überlebende

  • VonStefan Michalzik
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Die konzertante Uraufführung von Adrian Gaspars Kammeroper „Romano Kidipe“ im Frankfurter Gallus-Theater.

Musik, sagt Adrian Gaspar zu Beginn dieses Abends im Frankfurter Gallus-Theater, dürfe auch schön sein und Spaß machen. Eigens betont hat es der in Wien lebende, aus einer Romafamilie stammende rumänisch-österreichische Komponist, Jahrgang 1987, weil es sich bei seiner Kammeroper „Romano Kidipe“ – in der indogermanischen Sprache Romanes „Begegnung der Roma“ – um eine „Vertonung“ dreier Bilder des 2003 verstorbenen österreichischen Malers und KZ-Überlebenden Karl Stojka handelt. Weitere Elemente sind die Lebensgeschichte und Gedichte der „Papusza“ genannten polnischen Dichterin Bronislawa Wajs sowie ein Monolog des Sintos Hugo Höllenreiner, einem Überlebenden des Porajmos, des nationalsozialistischen Völkermords an den europäischen Sinti und Roma, über seine traumatischen Erfahrungen in Auschwitz.

Das Stück wurde 2020 in Teilen digital aufgeführt, in einer Fassung für Streichquintett und vier Gesangssolisten. In Frankfurt ist nun die konzertante Uraufführung, mit zwölf Streichern der Roma und Sinti Philharmoniker unter der Leitung von Riccardo Sahiti zu hören. Es beginnt mit einem instrumentalen Vorspiel.

Mit viel Sentiment

Die Musiksprache ist eine romantische, fernab vom postseriellen zeitgenössischen Komponieren. Man fühlt sich an Filmmusik erinnert, der Ton ist elegisch. Gaspar trägt dick auf, mit viel Sentiment, auch was später die Parts der hervorragenden Gesangssolisten – Lena Reineke, Sopran; Sophie Wenzel, Mezzosopran; Alexandr Bogdanov, Tenor; Timon Führ, Bariton – betrifft. Das könnte einem fast schon zu schön sein. An anderer Stelle jedoch ist Adrian Gaspars Musik keineswegs frei von modernistischen Zügen. In tonmalerischen Passagen setzt er Glissandi-Effekte ein, es gibt harsche perkussive Momente der Streicher in bohrender Repetition. Gesungen wird wechselnd auf Romanes und Deutsch.

In der konzertanten Aufführung – nächste Woche steht in Wien die erste szenische an – bietet sich das einstündige Stück um das imaginierte Treffen der drei Überlebenden des Genozids wie eine Kantate dar. Mit Blick auf eine avanciert-heutige Musiksprache läuft es gleichsam außer Konkurrenz, doch die Wirkung beim Publikum ist bemerkenswert. Riccardo M. Sahiti, Pultmann mit ausgeprägter Maestro-Gestik, arbeitet die expressiven Werte der Musik deutlich heraus. Und der Applaus ist euphorisch.

Auf die Geschichte des Ortes – in den Adlerwerken befand sich das KZ-Außenlager Katzbach – wies Theaterleiter Winfried Becker in einer kleinen Vorrede zu diesem nachträglichen Abend zum Tag der Menschenrechte hin.

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