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Rocko Schamoni im Mousonturm: Das innere Archiv

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Von: Stefan Michalzik

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Rocko Schamoni.
Rocko Schamoni. © Dorle Bahlburg

Rocko Schamoni stellt im Mousonturm sein Buch über Heino Jaeger vor.

Man weiß nicht, wo das herkommt, und man weiß nicht, was das soll.“ Diese Worte, geprägt auf Heino Jaeger, bringen auf den Punkt, wie frappierend dessen Werk ist, die komische Wortkunst, wie auch die Zeichnungen.

Die Lesungen von Rocko Schamoni weichen seit jeher vom klassischen Setting „Der Autor – das Buch – ein Glas Wasser“ ab. Schon dahingehend, dass an die Stelle des Wassers Bier tritt, diesmal flankiert von einer Tasse Kamillentee. Ob als Musiker, als Komiker im Trio Studio Braun oder als reisender Schriftsteller – den ironisch gebrochenen Entertainer gibt Schamoni immer. Im Frankfurter Mousonturm gastierte er mit seinem jüngsten Roman „Der Jaeger und sein Meister“, bot eine sympathische Mischung aus amüsanten Flapsigkeiten etwa zum vollen Haus – auch im Mousonturm herrscht die Schachbrettbelegung –, einem Lichtbildvortrag (wie man das früher genannt hätte), und vor allem Tonaufnahmen und Bildern von Heino Jaeger, darunter bislang unveröffentlichtes Material.

Ein pointenloser Humor

Das gehe jetzt noch ewig so weiter, 16 Stunden: mit diesen Worten bat Schamoni an einer Stelle den Tontechniker, auszublenden aus dem endlosen Strom einer Aufnahme, die Ende der 60er entstanden ist. Schier unglaublich, wie Jaeger die Tonfälle und die Art des Redens vor allem der „einfachen Leute“ aus einem scheinbar unerschöpflichen inneren Archiv in Improvisation abrufen konnte. Ein pointenloser Humor, der einen fortwährend lachen macht. Es wundert einen nicht, dass sich eine ganze Reihe von Größen der komischen Kunst von Olli Dittrich und Helge Schneider bis hin zu Rocko Schamoni und seinen Studio-Braun-Gefährten Jacques Palminger und Heinz Strunk auf Jaeger bezieht.

Herrlich, wie Rocko Schamoni im Leseteil Stimmen aus dem Kreis der Kiezgrößen markiert, in dem sich Jaeger bewegt hat. Im Hamburgischen Zungenschlag überwiegend. Sehr schön auch die sich erotisch-lässig inszenierende Bajuwarin Uschi Obermaier.

Die Zeichnungen Jaegers sind teils detailrealistisch in Nähe zum Comicstrip, mit Alltagsfiguren, die eher auf den Punkt ihres Wesens gebracht als karikaturistisch überzeichnet sind. Andere greifen ins Phantastisch-Surrealistische aus und sind bevölkert mit Wesen halb Mensch, halb Tier. Um 1970 herum war Jaeger auf dem Sprung zu einer großen Karriere, bald jedoch fiel er Alkohol und Drogen anheim. Nach langen Jahren in der Psychiatrie ist er 1997 mit 59 Jahren in einem Pflegeheim in Bad Oldesloe gestorben.

Rocko Schamoni und seinem Roman ist der Anstoß zur Wiederentdeckung eines vergessenen, nur als Mythos unter Eingeweihten kursierenden Unikats zu danken. Gerade bereitet er eine Retrospektive des zeichnerischen Werks vor, annonciert für Ende Februar 2022 im Museum Stade. Ungeduldig warten wir auf eine Gesamtausgabe der Tonaufnahmen.

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