Midnight Oil

Rocken und retten

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Ein klassisches Konzert mit Ex-Minister Peter Garrett und der Band Midnight Oil.

Mainz ist kein übler Ort für einen Auftritt von Midnight Oil. Als Karnevalsmetropole ein Ort, an dem seit jeher viel geschunkelt wird – und es sind Schunkellieder im Rockformat, die das australische Quintett einst in Fülle hervorbrachte, ob markige Rocknummer oder Ballade; Song für Song zielen sie auf einen hymnischen Refrain hin.

In der frühen Phase Debüts „Midnight Oil“ 1978 bewegte sich die Band auf den Spuren des New Waves. Zu Zeiten ihrer großen Erfolge, vornan die Hitsingle „Beds Are Burning“ aus dem Album „Diesel and Dust“ von 1987, handelte es sich um das, was man heute „Classic Rock“ nennt. Midnight Oil hatten sich radiofreundlich gemäßigt, mit einem sich kernig und rau gebenden Rocksound.

Ein Gruß an Präsident Blöd

Treue Anhänger hat die Band nach wie vor, und die waren begeistert an diesem Freiluftabend auf der Mainzer Zitadelle. Nach einer 15-jährigen „Ministerpause“ ihres Mundharmonika spielenden Sängers Peter Garrett – er war zunächst Abgeordneter der australischen Labour-Partei, dann Umwelt- und schließlich Kulturminister – war Midnight Oil vor zwei Jahren erstmals wieder auf Tournee, in der „originalen“ Besetzung von 1987ff. Die Umwelt ist eines der Themen in Garretts Texten; nach ein paar Songs an einem linden Sommerabend witzelte er, es werde allmählich wärmer – mit dem Klimawandel habe das aber nichts zu tun. Verbunden mit einem herzhaften Gruß an „that idiot president Dumb“ („Präsident Blöd“).

Im Hintergrund der Bühne ist ein buntes Riesentuch mit den Worten des „Uluru Statement“ für die Rechte der Aborigines aufgespannt – ein weiteres Garrett-Thema, auf das sich auch „Beds Are Burning“ bezieht. Die Band rockt die Party, der kahlköpfige Hüne mit der kantigen-zackigen Gestik, ebensolchen Tanzschritten und der metallisch timbrierten Stimme, inzwischen 66 Jahre alt, rettet die Welt – das ist das Prinzip von Midnight Oil. Diskriminierung, Ausbeutung und Kriegstreiberei, Arbeitslosigkeit und Korruption sind weitere Themen.

Im fortgeschrittenen Stadium des zweistündigen Konzerts spielte die Band an der Rampe – abgesehen von Ausflügen des Gitarristen Jim Moginie ans Keyboard – eine Reihe von Songs „akustisch“. Gelegentlich tauchte ein Staffagemusiker am Tenorsaxofon auf und lieferte artig ein pauschal gehandhabtes Klangelement ab.

Ein neues Album liegt nicht vor, dafür wurde am MerchandiseStand eine Miniatur-Öltonne mit gut einem Dutzend CDs und DVDs für 200 Euro angeboten. Einen neuen Song führen Midnight Oil im Repertoire, „Tarkine“. Er klingt wie ein Oldie.

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